Lexikon der Filmbegriffe

Medienverbund

Ein Medienverbund ist ein aus mehreren Einzelmedien bestehendes System, das meist aus einem originären narrativen Text hervorgegangen ist. Die Einzelmedien und der originäre Text stehen in intra- und/oder intermedialen Beziehungen unter- und zueinander. Diese umfassen auf intramedialer Ebene intertextuelle Beziehungen, in die nur ein Medium involviert sind, auf intermedialer Ebene dagegen Phänomene, die Mediengrenzen überschreiten (wie etwa stoffliche und motivische Bezüge, syntaktisch-semantische Anlehnungen an andere Medien u.ä.). In diesem Zusammenhang bezeichnet Medienwechsel die Transformation eines medial fixierten Textes in ein anderes Medium.


Medienverbünde ermöglichen ganze Ketten derartiger Transformationen (jeweils verbunden mit der Anpassung des Ausgangstextes an die Bedingungen und Möglichkeiten des Zieltextes), die – je weiter die Ketten ausgeführt werden – immer komplexere intermediale Beziehungen als bedeutungskonstitutive Elemente umfassen. Je mehr die Einzelmedienindustrien zu einer allgemeineren Medienindustrie zusammenwachsen, desto weiter prägt sich das Prinzip der crossmedial production aus, der Planung und Produktion dieser Ketten als ganzer Familie zusammengehöriger Texte in verschiedenen Medien. Ein bekanntes Beispiel sind die Teenage Mutant Ninja Turtles, die von vier Riesenschildkröten handeln, die als anthropomorphisierte Schildkröten (namens „Leonardo“, „Donatello“, „Raphael“ und „Michelangelo“) von einer Ratte mit dem Namen Splinter in der Kampfkunst Ninjutsu unterwiesen wurden und seitdem für das Gute kämpfen. Die Turtles als Parodie auf Comics wie Daredevil oder X-Men entstanden als gedrucktes Comic-Heft 1984; die Vorlage war Ausgangspunkt der TV-Serie gleichen Titels (1987-96); Dialoge der Zeichentrickfilmserie gingen in eine 21teilige Hörspielreihe ein (1990-92); mehrere Realfilm-Adaptionen folgen (Turtles, 1990, Teenage Mutant Ninja Turtles 2-3, 1991, 1993); bereits 1989 lag ein Videospiel gleichen Titels vor; zudem wuchs das Merchandising der Figuren explosionsartig (die Verwertung der Turtles-Idee hält bis heute unvermindert an [Stand: 2015]).


Literatur: Rusch, Gebhard / Schanze, Helmut / Schwering, Gregor: Theorien der Neuen Medien.  Kino, Radio, Fernsehen, Computer. Paderborn: Fink 2007. – Garbe, Christine / Philipp, Maik (Hrsg.): Harry Potter ‑ ein Literatur‑ und Medienereignis im Blickpunkt interdisziplinärer Forschung. Hamburg [...]: Lit 2006. – Strobel, Ricarda: Die Peanuts ‑ Verbreitung und ästhetische Formen: ein Comic‑Bestseller im Medienverbund. Heidelberg: Winter 1987. – Theunert, Helga / Wagner, Ulrike (Hrsg.): Medienkonvergenz: Angebot und Nutzung. Eine Fachdiskussion. München: Fischer 2002. Kurwinkel, Tobias: Medienverbund. In:/Lexikon des Kinder- und Jugendfilms im Kino, im Fernsehen und auf Video/. Hrsg. von Horst Schäfer. /Teil 6: Genre, Themen und Aspekte/. 42. Ergänzungslieferung. Meitingen: Corian-Verlag 2013, S. 1-6.


Artikel zuletzt geändert am 10.05.2015


Verfasser: TKU


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