Lexikon der Filmbegriffe

durchstechen


oft auch als Substantiv: Durchstecherei



Im sich kritisch gebenden Medienkritik-Jargon bezeichnet durchstechen die Weitergabe von Informationen aus vertraulichen Gesprächen, Kommissionen, Gremien usw. an Mitglieder der Medien und ist Teil der Kommunikation zwischen politischen Akteuren und Journalisten (weshalb das Verb oft als Metapher für eine gewaltsame, punktuelle Öffnung des Zeltes der Verschwiegenheit angesehen wird).



Eigene Bedeutung hat das Durchstechen, wenn vertrauliche Akten oder Details aus polizeilichen oder staatsanwaltlichen Ermittlungen an Journalisten weitergegeben werden (wie jüngst in den Verfahren gegen damaligen Bundespräsidenten Wulff oder gegen den Abgeordneten Edathy) – weil es sich dann um „Geheimnisverrat“ handelt, eine strafbare Handlung (§353b StGB), die allerdings nur selten aufgeklärt werden kann. In der journalistischen Ethik ist das Abwägen, in welchem Verhältnis öffentliches Interesse und das Recht aus Schutz der Privatsphäre stehen, Teil jeden Umgangs mit per Durchstecherei erlangten Informationen. Die öffentliche Anprangerung privater Vergehen oder sogar Vorlieben kann überaus schnell zum Rufmord führen; ebenso nahe liegt natürlich die Annahme, dass das Durchstechen Teil eines politischen Kalküls ist (wie in dem Film The Best Man, USA 1963, Franklin J. Schaffner, in dem einem Präsidentschaftskandidaten Homosexualität angedichtet wird).


Die Rolle des whistle blower ist im Journalistenfilm als eigener Figurentypus ausentwickelt worden – der Informant „Deep Throat“ aus dem Watergate-Szenario ist ein prägnantes Beispiel (etwa in dem Film All the President's Men, USA 1976, Alan J. Pakula).


Artikel zuletzt geändert am 20.04.2015


Verfasser: HHM


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