Lexikon der Filmbegriffe

pre-title sequence

auch: pre-credit scene/sequence; dt. selten: Vortitel-Sequenz, Vorsequenz


Manche Filme beginnen – nach dem Produktionslogo – mit einer Vortitel-Sequenz, noch bevor die eigentliche Titelsequenz (die opening credits) erscheint. Sie dient oft dazu, den oder die Protagonisten der folgenden Handlung einzuführen oder ein erstes Ereignis darzustellen, das als eine Art pre-title plot point bereits die Erzählung eröffnet. Es gibt andere Formen wie etwa bei den Indiana-Jones-Filmen, die offenbar zum Finale einer nicht gesehenen anderen Geschichte gehören, die aber den Modus der eigentlichen und noch folgenden Geschichte bereits etablieren; ähnlich sind auch die bis zu zehnminütigen Vortitel-Sequenzen aus den James-Bond-Filmen nicht unbedingt narrativ, sondern vor allem modal auf die folgende Handlung bezogen. Eine Variante findet sich im Horrorfilm, wenn eine Hauptfigur eingeführt zu werden scheint, aber noch während der Vortitel-Sequenz zu Tode kommt – als eine Art Vorsignal auf die Bedrohlichkeit, in der sich die Figuren dieser diegetischen Realität befinden; ein Beispiel ist Cube (Kanada 1997, Vincenzo Natali). Eine allerdings selten genutzte Form ist der Prolog (des Erzählers oder eine chorisch verwendeten Figur), die dem Titel vorangestellt ist.


Die erste Vortitelsequenz entstammt möglicherweise dem Film Crime Without Passion (1934, Ben Hecht, Charles MacArthur; Gestaltung der Sequenz: Slavko Vorkapitch), der mit einem Schuss und Bildern von Blut beginnt, die auf den Boden tropfen, bevor die drei Furien der griechischen Mythologie über eine Stadt hinwegfliegen und in die Titelsequenz überleiten. Doch schon das Musical Viennese Nights (USA 1930, Alan Crosland) enthielt eine aus wenigen Biergarten-Bildern bestehende Vorsequenz, die in das Setting „Wien“ einführte. Die wohl längste Vortitelsequnz entstammt dem Film The Last Movie (USA 1971, Dennis Hopper) – sie war 30 Minuten lang. Ein Sonderfall sind die Filme („Nur-Pretitle-Filme“), die ihre Titel erst am Ende plazieren (wie etwa Woodstock, USA 1970, Michael Wadleigh).


In TV-Serien ist die pre‑credit sequence seit den 1960ern Teil der Seriendramaturgien. Hier spricht man vom cold open – gemeint ist ein Hereinspringen in die Handlungsrealität der Episode ohne jede Vorankündigung. Bekannt ist vor allem die Serie Law and Order (USA 1990-2010), deren Episoden jeweils mit dem Tod des Opfers des folgenden Kriminalfalles endeten.


Literatur: Hartmann, Britta: Aller Anfang... Zur Initialphase des Spielfilms. Marburg: Schüren 2009.

Referenzen:

cold open


Artikel zuletzt geändert am 20.04.2015


Verfasser: KB


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