Lexikon der Filmbegriffe

Chorfilm / Chöre im Film


engl. manchmal: choral film



Als Chorfilme werden Filme bezeichnet, in denen im Rahmen der Handlung ein Chor auftritt und diese mehr oder weniger stark bestimmt. Die handelnden Figuren sind meistens Mitglieder des Chores oder stehen in einer direkten Beziehung zu ihm. Vorreiter des modernen Chorfilms sind die Sister-Act-Filme (1992, 1993), die auch die deutsche Chorlandschaft maßgeblich beeinflussten. Nach 2000 entstanden in der Folge weltweit eine Reihe von Filmen, in deren Mittelpunkt ein Chor und die persönliche Entwicklung der darin singenden Figuren stehen (u.a. Die Kinder des Monsieur Mathieu, 2004, Wie im Himmel, 2004, Oh Happy Day, 2004, Song for Marion, 2012). Im Gegensatz zur Darstellung von Chören in Filmen der 1930er bis 1960er, in denen meist Mitglieder eines real existierenden Chores (Wiener Sängerknaben, Robert Mitchell Boys Choir) agierten, geht es im neuen Chorfilm in erster Linie um das gemeinschaftliche Singen als Lebenshilfe zum Herausführen aus einer Krise. Genrekriterien sind dabei ein schlecht singender oder noch gar nicht existierender Chor am Anfang des Films, der, meist kraft der Persönlichkeit eines charismatischen Chorleiters, über Probenphasen, einen ersten und den Zuschauer überraschenden guten Auftritt hin zu einem Wettbewerb oder großen Konzert am Schluss des Films geführt wird. Die im Chor singenden Figuren erfahren dabei durch das Erlebnis des Kollektivs eine Persönlichkeitsstärkung und erhalten in den meisten Fällen eine neue Zukunftsperspektive. Überproportional häufig ist es Gospelmusik, die im Film interpretiert wird. Dabei greifen die Filme in der gesellschaftlichen Realität existierende Einstellungen und Tendenzen hinsichtlich einer neuen, wissenschaftlich belegten Wertschätzung von Chorsingen als generationenübergreifendem, therapeutischem, gesundheitsförderndem und bildungsrelevantem  Mittel auf.


Eine besondere Gruppe von Filmen nimmt den Chor zum Ort einer Handlung, die sich um außerchorische Inhalte dreht (wie etwa im Kriminal- oder Schulfilm).


Literatur: Maas, Susanne: Chöre im Spielfilm. Eine Untersuchung zur Darstellung von Bildung durch Chorsingen im fiktionalen Film. Münster: LIT-Verlag 2014. – Clift, S. [...]: Choral singing and psychological wellbeing: Quantitative and qualitative findings from English choirs in a cross-national survey. In: Journal of Applied Arts and Health, 1,1, 2010, S. 19-34.


Artikel zuletzt geändert am 20.04.2015


Verfasser: SUM


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