Lexikon der Filmbegriffe

squash and stretch

Ein Grundprinzip der Darstellung von Deformationen animierter Figuren und Objekte in vielen Formen des Animationsfilms, besonders im Zeichentrickfilm: Unter physikalischer Einwirkung verformen sich die dargestellten animierten Körper, werden vorübergehend zusammengestaucht (squash) oder in die Länge gezogen (stretch). Bleibt das Volumen der animierten Figur bei diesem Prozess konstant und folgt somit den Gesetzen der Physik, trägt der Effekt wesentlich zu einem Eindruck realistischer bzw. natürlicher Bewegung bei. Typisch ist dies etwa für die Zeichentrickfilme Disneys. Verändert sich das Volumen dagegen während der Deformation, entsteht ein Eindruck von Elastizität, der wiederum eingesetzt werden kann, um Komik zu erzeugen. Ein bekanntes Beispiel für letztere Anwendung des Prinzips sind die Cartoons von Max Fleischer aus den 1930ern mit ihren extremen Deformationen und übertriebenen Metamorphosen, bei denen die scheinbar elastischen Körper der gezeichneten Figuren regelmäßig größten Belastungen ausgesetzt werden, ohne dabei bleibende Schäden zu erleiden. Anders als bei der „realistischen“ Animation Disneys wird bei Fleischer auf diese Weise stets auch die mediale Verfasstheit der Cartoons selbstreflexiv in Szene gesetzt.


Literatur: Furuhata, Yuriko: Rethinking Plasticity. The Politics and Production of the Animated Image. In: Animation 6,1, 2011, S. 25-38. – Siebert, Jan: Flexible Figuren. Medienreflexive Komik im Zeichentrickfilm. Bielefeld: Aisthesis 2005. – Thomas, Frank / Johnston, Ollie: The Illusion of Life. Disney Animation. New York: Abbeville Press 1981.

Referenzen:

Gestalt: Gestaltgesetze


Artikel zuletzt geändert am 20.04.2015


Verfasser: DOS


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