Lexikon der Filmbegriffe

Pflichtexemplare

Die wohl älteste Pflicht zur Ablieferung von Pflichtexemparen von Druckerzeugnissen an stattliche Stellen stammt aus Frankreich und wurde am 28.12.1537 ausgesprochen. Das dépôt légal wurde sukzessive auf andere Druckerzeugnisse, auf Musikalien und 1975 schließlich auch auf Filme ausgedehnt. Es waren vor allem finanzielle Argumente (die Herstellung einer Filmkopie kostet ungleich mehr als der Folgedruck von Büchern) sowie urheberrechtliche Bedenken, die die schon viele Jahre vorher begonnen Diskussionen um den Umgang mit Film-Pflichtexemplaren immer wieder zurückgeworfen und die in verschiedenen Ländern zu verschiedenen Regelungen geführt hatten. Andere Länder wie vor allem die USA hatten gerade die Aufgabe der Sicherung von Urheberrechten schon früh mit der eine Lieferungspflicht der Werke an das U.S. Office of Copyright gekoppelt (das wiederum zwischen legal und mandatory deposits unterscheidet). Nach dem 1978 novellierten US-Urheberrechtsgesetz (17 U.S.C., Section 407) sind Halter eines Urheberrechts oder exklusive Vertreiber von Filmen verpflichtet, innerhalb von drei Monaten nach Veröffentlichung des Werkes zwei sogenannte Best-Edition-Copies zu hinterlegen.


Andere Länder nahmen erst in den 1970ern und 1980ern die Diskussion über die Funktion der Pflichtabgabe als Strategie der Sicherung des filmkulturellen Erbes ernst zu nehmen und entsprechende Gesetzesinitiativen in Gang zu bringen, die aber zum größten Teil noch nicht abgeschlossen sind. Einen entscheidenden Anstoß zur internationalen Diskussion über die Pflichtablieferung von Filmen gab eine Empfehlung zum Schutz und zur Erhaltung bewegter Bilder, die die Generalkonferenz der UNESCO am 27.10.1980 in Belgrad verabschiedet hatte. Die Doppelfunktion derartiger Archivierung – Aufbewahrung von Primärquellen (Negative + Mastermaterial) und Belegstücken (Kopien) in bestmöglicher Qualität zur Sicherung des wirtschaftlichen Kapitals der (vor allem stattlich geförderten) Filme / Langzeitarchivierung dieser Produktionen im Sinne der Erhaltung des filmkulturellen Erbes – spielt in allen diesen Diskussionen weiterhin eine Rolle.


Literatur: UNESCO-Empfehlung zum Schutz und zur Erhaltung bewegter Bilder. In: Kretzschmar, Rudolf (Hrsg.): Nichtstaatliche und audiovisuelle Überlieferung. Gefährdungen und Lösungswege zur Sicherung. Stuttgart: Kohlhammer 1997, S. 71-80.


Artikel zuletzt geändert am 20.04.2015


Verfasser: HHM


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