Lexikon der Filmbegriffe

Auralität

engl.: aurality

Der Begriff der Auralität bezeichnet solche Wirkungsweisen des Films, bei denen auditive Elemente im Rahmen der Montage ihres Zusammenspiels mit visuellen Elementen eine die Rezeption leitende Funktion übernehmen. Auralität kann verschiedene narrative, strukturelle, dramaturgische oder immersive Funktionen einnehmen. Ton im Film kann als organisierte Form von Schallereignissen definiert werden. Unterschieden wird dabei zwischen Geräuschen (Hintergrundgeräusche wie Straßenlärm, Klappern von Schuhen, Wasserrauschen, etc.), Mono- bzw. Dialogen sowie Musik (diegetische Musik und nicht-diegetischer Score). Ihre Synthese ergibt die Klangwelt bzw. die „Soundscape“ des Films, die unter Tontechnikern auch als Soundtrackbezeichnet wird. Aus der koordinierten Abfolge bzw. Koexistenz dieser Elemente der Bild- und Tonspur (und somit nicht lediglich aus dem Schnitt) ergibt sich die Montage des Films, welche die Auralität organisiert. Hierbei entstehen unterschiedliche Dominanzverhältnisse der visuellen und auditiven Ausdrucksmittel zueinander – (1) die Gestaltung der Bewegtbildelemente kann die Gestaltung der Tonelemente steuern (wie bei Stummfilmvorführungen mit begleitender improvisierter Live-Musik; (2) Bild- und Tonspur können weitgehend gleichberechtigt aufeinander Bezug nehmen; (3) die Gestaltung der Tonspur (oder Elemente dieser) kann die Gestaltung der Elemente der Bildspur steuern (evident ist dies insbesondere bei Musikvideos, professionellen Konzertmitschnitten oder Filmszenen, die diegetische Musikelemente enthalten). Diese Differenzierung kann sowohl den gesamten Film als auch einzelne Teile eines Films betreffen. Es lassen sich Intensitätsgrade der Auralität festlegen, die von schwacher hin zu starker Auralität reichen. Wird die Tonspur (oder Aspekte der Tonspur) mit nur einer der ,Bewegungskategorien‘ der Bildspur synchronisiert, so sprechen wir von schwacher Auralität (wenn etwa Filmfiguren ein Lied singend durch eine ansonsten statische Einstellung laufen); wird die Tonspur dagegen mit mehr als einer Bewegungskategorie synchronisiert, sprechen wir von starker Auralität.

Literatur: Beck, Jay / Grajeda, Tony (eds.): Lowering the Boom: Critical Studies in Film Sound. Urbana: University of Illinois Press 2008. – Chion, Michel: Audio‑Vision: Sound on Screen. New York: Columbia University Press 1994. – Ovadija, Mladen: Dramaturgy of sound in the avant‑garde and postdramatic theatre. Montréal [...]: McGill‑Queens University Press 2013. – Sonnenschein, David: Sound Design: The Expressive Power of Music, Voice, and Sound Effects in Cinema. Studio City, Cal.: Michael Wiese Productions 2001. – Kurwinkel, Tobias / Schmerheim, Philipp: Kinder‑ und Jugendfilmanalyse. Konstanz: UVK 2013, v.a. 124ff.Verfasser: TKU/PS

Referenzen:

Soundscape


Artikel zuletzt geändert am 23.04.2015


Verfasser: PS


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