Lexikon der Filmbegriffe

Bilderfahrzeug

engl.: image vehicle

Als „automobile Bilderfahrzeuge“ bezeichnete Aby Warburg Kunstobjekte wie z.B. die flandrischen Teppiche an den Wänden italienischer Palazzi. Die metaphorische Verwendung von „Fahrzeug“ deutet darauf hin, dass derartige Kunstwerke Bildprogrammatiken, Bildformeln, visuelle Stilisten u.ä., aber auch Bildinhalte durch Raum und Zeit bewahren, so dass sie in zukünftige Bildproduktion eingehen können. Das Konzept ist Teil der Ikonologie und ist nicht auf das reine Bildobjekt beschränkt, sondern integriert materiale und praktische Kontexte wie Moden, Stoffe und Materialien, Festkulturen, Einrichtungsstile u.a.m. Durch die objektgetragene „Bildwanderung“ war es Warburg zufolge möglich, dass die antike Kunst in der Renaissance aufgegriffen und modifiziert werden konnte. Auch die Objekte des Warburgschen Bildatlas‘ erweisen sich so ausnahmslos als Träger ikonischer Qualitäten, die ebenso aufbewahrt wie durch die Zeit weitergegeben werden.

Literatur: Warburg, Aby: Gesammelte Schriften. Studienausgabe. Hrsg. von Horst Bredekamp, Michael Diers u. Gertrud Bing. Abt. 1, Bd. 1,2: Die Erneuerung der heidnischen Antike. Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Geschichte der europäischen Renaissance. Berlin: Akademie-Vlg. 1998, bes. S. 451ff. Zuerst 1932. – Goblet D'Alviella, Eugène: La migration des symboles. Paris: Ernest Leroux 1891. – Hönes, Hans Christian: Kunst am Ursprung. Das Nachleben der Bilder und die Souveränität des Antiquars. Bielefeld: Transcript 2014. 


Artikel zuletzt geändert am 07.06.2015


Verfasser: KB


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