Lexikon der Filmbegriffe

disease-of-the-week movies

dt. wörtlich: Krankheit-der-Woche-Filme; manchmal auch in der Nähe des TV-Movie-Motivs ethical-dilemma-of-the-week angesiedelt

Die Bezeichnung disease-of-the-week movies entstammt der US-TV-Movie-Produktion der 1970er und 1980er und nominiert ein immer wieder neu bearbeitetes Thema: die heroisch durchlittenen Erfahrungen eines einzelnen Helden in der Konfrontation mit (oft tödlicher) Krankheit oder Behinderung. Ein bekanntes Beispiel ist der Film The Boy in the Plastic Bubble (USA 1976, Randal Kleiser) mit John Travolta in der Hauptrolle, der wegen einer angeborenen Immunschwäche dazu gezwungen ist, sein ganzes Leben in einer strikt sterilen Umgebung zu verbringen. Wie viele andere Filme des Motivkreises ging der Film auf eine reale Geschichte zurück, weshalb die Filme oft einen ihnen eigenen „Realismus“ reklamierten. Die Darstellung der Krankheiten und Behinderungen vermieden fast immer die Thematisierung politischer Themen, der Zustände in der US-Medizin und -Pflege, die ökonomische Seite von Kranksein. Es ging nach eigenem Bekunden darum, Krankheit und Behinderung als Tatsachen menschlicher Erfahrung zu zeigen: Sie versöhnen ihre Helden mit der Krankheit und bieten dem Zuschauer nicht nur die Sympathie mit den Helden an, sondern auch ein umfassendes Akzeptieren von Krankheit (und Tod) als Teil der Realität des Lebens (weshalb die Filme trotz ihrer „schweren“ Thematik oft auch als feelgood movies rubriziert werden können).

Eigene Aufmerksamkeit verdienen die Filme über AIDS, die oft mit der emotionalen Konzentration auf die Heldenfigur gegen die homophoben Vorurteile großer Teile des Publikums inszeniert waren (der erste Film dieser Art war  John Ermans An Early Frost, NBC, 1985).

Die programmatische Bedeutung des disease-of-the-week-Motivs ging nach der Jahrtausendwende zurück.

Literatur: Harty, Kevin J.: Film. In: The Body, URL: http://www.thebody.com/content/art14020.html.


Artikel zuletzt geändert am 07.06.2015


Verfasser: KB


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