Lexikon der Filmbegriffe

Filmkomponist


neuerdings auch: Filmmusikkomponist; engl. (film music) composer

Jede Person, die im Auftrag eines Regisseurs, Redakteurs oder Produzenten einem Film (gleich welchen Genres) strukturiertes auditives Material hinzufügt, erfüllt ein wesentliches Tätigkeitsmerkmal des Filmkomponisten. Bei dem verwendeten Material kann es sich um Musik (gleich welcher Art) oder/und um Klang-Geräusche (mit fließenden Übergang zum Sounddesign) handeln, die aus menschlichen Stimmen, Naturlauten oder/und rein elektronisch produzierten Sounds generiert wurden. Die Ausführenden sind akademisch ausgebildete oder autodidaktische Komponisten, Arrangeure, Sänger, Instrumentalisten, mitunter auch Tontechniker. Vom sozialen Status her arbeiten die Filmkomponisten in der Regel freischaffend. Als Angestellte einer Filmfirma waren Komponisten vor allem in den USA und in der Sowjetunion bis zur Auflösung der Hollywooder-music departments Anfang der 1960er und der Privatisierung der russischen Filmindustrie in den 1990ern tätig.
Die von den Kinokapellmeistern der Stummfilmzeit speziell komponierten oder aus vorhandenen Musikstücken kompilierten Begleitmusiken legten die stilistischen, strukturellen und funktionalen Grundlagen für eine dramaturgisch funktionierende Filmmusik, allerdings ohne die essentielle Notwendigkeit der nachfolgenden Tonfilmmusik, konzeptionell in Korrespondenz zu den anderen auditiven Elementen wie Sprache und Geräusch treten zu müssen.
Die auf den Tonfilm spezialisierten Komponisten entwickelten seit den 1930ern in ständiger Auseinandersetzung mit den dramaturgischen Vorgaben der Regie und mit zunehmender kreativer Nutzung der sich bis zur gegenwärtigen Digitalisierung rasant entwickelnden elektroakustischen Aufnahmetechnik wirkungsvolle audio-visuelle Synthesen und raffinierte Formen einer filmspezifischen Musik. Nach 1960 ergaben sich neue Ansprüche an den Filmkomponisten; zum einen die kompositionstechnische Fähigkeit, je nach Thema, Eigenart und Zielsetzung des konkreten Films souverän über die verschiedensten musikalischen Sparten und Stile verfügen zu können, und zum anderen seit Beginn des 21. Jahrhunderts die Prämisse eines eigenen technisch aktuell ausgestatteten Tonstudios, um als Komponist und Musikproduzent in Personalunion zu fungieren.

Biographische Verzeichnisse: Medienwissenschaft: Berichte und Papiere, 86, 2008, online (Bibliographie). -- Vgl. beispielhaft: MacCarty, Clifford: Film composers in America. A filmography, 1911‑1970. 2. ed. Oxford [...]: Oxford University Press 2000. -- Sherk, Warren M.: Film and Television Music: A Guide to Books, Articles, and Composer Interviews. Lanham, Mad.: Scarecrow 2011.

Filmkomposition in Selbstdarstellungen: Bazelon, Irwin: Knowing the Score. Notes on Film Music. New York: Van Nostrand Reinhold 1975. -- Cooke, Mervyn (ed.): The Hollywood film music reader. New York, NY [...]: Oxford University Press 2010; v.a. sect. II: Composers in their own words. -- DesJardins, Christian: Inside film music. Composers speak. Los Angeles: Silman‑James Press 2006. -- Morgan, David: Knowing the Score. Film Composers Talk About the Art, Craft, Blood, Sweat, and Tears of Writing for Cinema. New York: Harper Entertainment / Harper Collins 2000. -- Schelle, Michael: The Score: Interviews with Film Composers. Los Angeles, Cal.: Silman‑James Press 1999.



Artikel zuletzt geändert am 07.06.2015


Verfasser: WT


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