Lexikon der Filmbegriffe

Zielgruppenfilm (1)

traditionell auch: Arbeiterfilm


In den 1970ern gebräuchliche Gelegenheitsbezeichnung für Filme, die sich an eine spezifische gesellschaftliche Gruppe im sozialen Interessenkonflikt wandte (in der Regel die Arbeitenden). Derartige Filme verstanden sich selbst als Beiträge zum sozialen Prozess, nahmen offensiv Partei, wurden manchmal sogar in laufenden Arbeitskämpfen gedreht und gezeigt. Ein bis heute bekanntes Beispiel deutscher Herkunft ist Christian Ziewers Liebe Mutter, mir geht es gut (BRD 1971). Von großer Bedeutung waren die Diskussionen in der französischen Filmszene, die die Rolle der Filmemacher im revolutionären Kampf zu bestimmen suchten (vgl. dazu Das ist nur der Anfang – der Kampf geht weiter [aka: Ce n’est qu’un debut...]; BRD/Frankreich 1968/69, Claudia Alemann). Jean-Luc Godards Tout va bien (Alles in Butter; Frankreich 1972) oder Marin Karmitz‘ Coup pour coup (Schlag auf Schlag; Frankreich/BRD 1971) sind prägnante Beispiele aus dieser Zeit. Im Extremfall entstanden Filmer-Kollektive, die durch die Arbeiterschaft mandatiert waren, manchmal sogar aus Kreisen der Arbeiter rekrutiert wurden.


Artikel zuletzt geändert am 07.06.2015


Verfasser: HHM


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