Lexikon der Filmbegriffe

women-in-jeopardy (2)

Zynische Bezeichnung aus der TV-Movie-Produktion seit den 1970ern. TV-Spielfilme, die vor allem für ein weibliches Publikum (das das bedeutendste Käuferpotential darstellt, ergo das wichtigste Publikum werbefinanzierten Fernsehens) konzipiert werden, kalkulieren oft mit Affektstrategien zwischen Erregung und Mitgefühl; der Typus women in jeopardy markiert als „identitätsstiftend und aufregend“ den einen Pol der angesprochenen Emotionen, disease of the week (= Krankheit der Woche) als „gefühlvoll und heroisch“ den anderen. Women-in-jeopardy movies handeln von misshandelten (oft als Form häuslicher Gewalt), entführten, vergewaltigten oder gefolterten Frauen, aber auch von Heldinnen, die bereit sich, sich vergewaltigen zu lassen, um ihre Kinder zu retten, die sich für ihre missbrauchten Kinder gegen den Ehemann einsetzen und ähnlichen Verstrickungen. Viele der Geschichten nehmen reale Fälle aus der Boulevardpresse auf und dramatisieren diese Stoffe. Immer spielt zwischengeschlechtliche Gewalt eine zentrale dramatische Rolle; doch finden sich auch Beispiele, in denen Frauen sich gegen Frauen wenden, sich mit verhaltensauffälligen Kindern herumschlagen oder sogar ihre latente Gewalttätigkeit gegen sich selbst wenden. Ein berühmtes Beispiel ist The Burning Bed (USA 1984, Robert Greenwald), in dem Farah Fawcett eine misshandelte Ehefrau spielte, die ihren Mann mit Benzin übergoss und ansteckte.

Literatur: Davis, Sam: Quotenfieber, Das Geheimnis erfolgreicher TV‑Movies. Bergisch‑Gladbach: Bastei‑Lübbe 2000. – Selbo, Jule: Film genre for the screenwriter. New York/London: Routledge 2015.


Artikel zuletzt geändert am 07.06.2015


Verfasser: KB


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