Lexikon der Filmbegriffe

topical music

dt. selten: topische Musik, thematische Musik

Vor allem Lieder über spezifische Themen werden manchmal als topical music zusammengefasst (wobei der Bezug zum rhetorischen Topos [= allgemeiner Gesichtspunkt] durchaus spürbar ist). Dazu gehören ebenso Lieder aus der Protestbewegung, gegen den Vietnamkrieg, den Krieg allgemein oder die Umweltverschmutzung wie aber auch national gefärbte, patriotische Lieder, Gewerkschaftslieder etc. Weil der thematische Zusammenhang, in den die Lieder gehören, zum Wissen über dieselben gehört, können sie auch im Film diese politischen, historischen oder ideologischen Kontexte aufrufen, wenn sie nur angespielt werden. Die Verwendung topischer Musiken geht über die rein intertextuelle Anspielung weit hinaus, weil sie ein Referens in der äußeren Realität besitzt. Wenn also in Foreign Correspondent (USA 1940, Alfred Hitchcock) am Ende eine beschwörend-pastorale Rede über die Kriegspläne der Deutschen sich vom Film löst und mit der amerikanischen Nationalhymne unterlegt wird, tönt der Film einen Appell an, der in der Realität in den Kriegseintritt der USA einmündet. Oder wenn in Goodbye Bafana (BRD 2007, Bille August) gelegentlich Fetzen der ANC-Hymne „Nkosi Sikelel’ iAfrika“ („Gott segne Afrika“) unmerklich in die Musik des Films eingestreut sind, wird der jahrzehntelange Kampf gegen die Apartheid auch musikalisch-affektiv einbezogen. 


Artikel zuletzt geändert am 07.06.2015


Verfasser: JvH


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