Lexikon der Filmbegriffe

Gesangsfilm

engl. selten: singing films

(1) Eine eigene kleine Gattung des Stummfilms war der Gesangsfilm, bei dem nicht nur ein Film gezeigt wurde, sondern dessen Performances von leibhaftigen Sängern und Sängerinnen im Kinosaal tonlich dargeboten wurden. Es ist sogar bekannt, dass das Publikum nach der Wiederholung der Lieder verlangte (eine Da-capo-Konvention, die den Operntheatern entstammt). Zu den Filmen der kleinen Gattung zählen Das Zauberlied (Österreich/Ungarn 1913/14, Marco Brociner), Wo die Lerche singt (Deutschland 1918, Hubert Marischka) und Sonnige Träume (Österreich 1921, Hugo Eywo).


(2) Die Bezeichnung hielt sich noch während der frühen Tonfilmzeit für Filme, deren Geschichten um Sänger herum erzählt wurden, wurde aber bald durch die neue Gattungsbezeichnung „Sängerfilm“ abgelöst. Aber noch der Marika-Rökk-Film Kind der Donau (Österreich 1950, Georg Jacoby) wurde als „Tanz- und Gesangsfilm“ annonciert. Immer ging es darum, dass diese Filme weniger aufgrund ihrer ästhetischen oder narrativen Qualitäten von Belang waren als vielmehr aufgrund der Darbietung der Gesangskünste der Hauptfiguren.


(3) Geht es darum, Filme mit vielen Gesangseinlagen generisch zu qualifizieren, wird im Filmjournalismus manchmal auf das Konzept des „Gesangsfilms“ zurückgegriffen; man spricht dann etwa von „arabischen Gesangsfilmen“.

Referenzen:

Sängerfilm

Schlagerfilm


Artikel zuletzt geändert am 07.06.2015


Verfasser: JvH


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