Lexikon der Filmbegriffe

Platzanweiserin

Jahrzehntelang eine von (meist jüngeren) Frauen im Kino ausgeübte Tätigkeit.


Ihre Hauptaufgabe war es, Kinogängern, die erst nach Beginn der Filmvorführung in den dunklen Saal kamen, mit Hilfe eines Taschenlampenstrahls zu einem der noch freien Plätze zu geleiten. In kleineren Kinos verkaufte die Platzanweiserin mit einem Bauchladen in der Pause vor dem Hauptfilm (nach Wochenschau und Kultur- bzw. Kurzfilm) Eis und Süßigkeiten. Zuweilen besaß sie auch die Verfügungsgewalt über die Lautstärkeregelung des Filmtones. Neben ihrem Dienstplatz in der letzten Reihe befand sich ein Drehknopf, der stufenlos zu bedienen war.


Künstlerische Reflexionen über diesen subalternen Job im Lichtspielwesen gibt es seit den 1930er Jahren. Im Ufa-Film Meine Freundin Barbara von1937 (Fritz Kirchhoff) spielte Grethe Weiser eine resolute Kinoplatzanweiserin, die einem weltfremden Chemiewissenschaftler hilft, seine Ehekrise zu überwinden. Der amerikanische Maler Edward Hopper ließ seine Frau Jo auf dem Gemälde „New York Movie“ (1939) in dieser Funktion Modell stehen. Als literarische Reflexionen sind das Monodrama Die Platzanweiserin (Biletárki) des tschechischen Autors sowie Theater- und Filmregisseurs Arnost Goldflam aus dem Jahre 1983 sowie der gleichnamige Roman von Susanne Fischer (erschienen 2006) zu nennen. 


Artikel zuletzt geändert am 01.09.2015


Verfasser: WT


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