Lexikon der Filmbegriffe

redemption

engl., = Erlösung


Nach dem zweiten Weltkrieg entstand das multidisziplinäre Forschungsfeld der American Studies, in dem die amerikanische Literatur nicht mehr als Fortsetzung der englischen Traditionen angesehen wurde, sondern als eigenständige Arbeit an spezifisch amerikanischen Einstellungen und Realitätsannahmen. Das Bezugskonzept nannte man „Mythos“ (myth) und verstand darunter stereotype Bilder und Geschichten, in denen die zentralen Werte einer Kultur aufbewahrt werden. Vor allem im Kontext der Frontier-Mythen der amerikanischen Landnahme ist immer wieder das Motiv redemption, insbesondere die redemption through violence („Erlösung durch Gewalt“) benannt worden. Nicht nur, dass zahlreiche Geschichten von der Befreiung von Schuld und Verfolgung handeln, sie behandeln auch den gewaltsamen Durchgang zu einem Leben in Frieden und Selbstbestimmung. Insbesondere im Thriller ist die Überwindung der Angstsituation, die Lösung von einem Alpdruck fast immer gewalttätig. Es sind kollektive Ängste und Lösungsphantasien, verbunden mit gleichzeitigen Heroisierungsvorstellungen, die in den Erlösungsgeschichten manifest werden und – nach Meinung diverser Theoretiker – auch in Vorstellungswelten politischen Handelns eindringen. Neuere Untersuchungen bringen das Erlösungsmotiv sogar explizit in Zusammenhang mit einer Emotionalisierung, Moralisierung und Irrationalisierung der Politik.


Literatur: Slotkin, Richard: Regeneration through violence. The mythology of the American frontier, 1600-1860. Middletown, Conn.: Wesleyan University Press 1973. – Coulthard, Lisa: ,Violence makes victims of us all‘: Pathos, vengeance and the politics of Clint Eastwood‘s Mystic River. In: European Journal of American Culture 30,1, May 2011, S. 43‑55. – Davis, Todd F. / Womack, Kenneth: Shepherding the weak. The ethics of redemption in Quentin Tarantino's Pulp Fiction. In: Literature/Film Quarterly 26,1, 1998, S. 60‑66. – Deacy, Christopher: Screen christologies. Redemption and the medium of film. Cardiff: University of Wales Press 2001. – Golub, Mark. History died for our sins. Guilt and responsibility in Hollywood redemption histories. In: Journal of American Culture 21,3, 1998, S. 23‑45. – Grady, Frank: Arnoldian humanism, or amnesia and autobiography in the Schwarzenegger action film. In: Cinema Journal 42,2, Winter 2003, S. 41‑56. 


Artikel zuletzt geändert am 01.09.2015


Verfasser: HJW


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