Lexikon der Filmbegriffe

Fotoroman

auch: Photostory, Photo Soap, Fotogeschichte, Bildergeschichte; im Ital. manchmal auch abfällig: fumetti (=Sprechblasen)

Die Gattung des Fotoromans wurde im Italien und Frankreich der frühen 1950er Jahre schnell populär und zu einer massenhaft verbreiteten Gattung der populären Literatur. Gina Lollobrigida, Sophia Loren, Marie-José Nat, Ornella Muti u.a. haben ihre Laufbahn im Fotoroman begonnen. Im Mai 1964 erschien zum ersten Mal ein Foto auf der Titelseite der Nous Deux, der führenden französischen Fotoroman-Gazette – es zeigte ein Bild Johnny Hallydays als Held in La belle aventure de Johnny.
Die Auflage der fotoromanzi erreichte in den 1970er Jahren allein in Italien eine Höhe von wöchentlich 8 bis 10 Millionen Exemplaren. Von Beginn an bildeten Frauen aus benachteiligten Schichten die Mehrzahl der Konsumenten. Interessant ist dabei, dass der Fotoroman in seiner Hoch-Zeit in den 1970ern nicht in der Teenagerpresse erschien, sondern die Lesergruppe der 14- bis 70jährigen adressierte. Der erste farbige Fotoroman kam 1984 heraus. Im November 1985 feierte die Zeitschrift Nous Deux mit Erzählungen von François Nourrissier, Nadine de Rotschild, Françoise Xenakis und Frédéric Dard das Erscheinen ihrer zweitausendsten Nummer. Heute erscheint das Blatt in einer Auflage von 550.000 Exemplaren und hat wöchentlich 2.023.000 Leser, davon 25% männliche (Stand: 2002). In viel geringerem Umfang finden sich Fotogeschichten auch in deutschen Boulevard-Magazinen und in der Regenbogenpresse.

Literatur: Baetens, Jan / Gonzalez, Ana (éds.): Le Roman-photo. Actes du colloque de Calaceite (Fondation NOESIS), 21-28 août 1993. Amsterdam [...]: Rodopi 1996. – Schimming, Ulrike: Fotoromane. Analyse eines Massenmediums. Frankfurt [...]: Lang 2002.


Artikel zuletzt geändert am 01.08.2011


Verfasser: JH


Zurück