Lexikon der Filmbegriffe

Schund

von mhd. schinden = häuten, Abfall beim Schinden erzeugen; gleichbedeutend mit: nutzloses Zeug, Ausschuss, minderwertige Ware


Das Konzept des Schunds (oft spezifiziert als Schundliteratur, Schundfilm etc.) spielte in der Geschichte der Zensur als Bezeichnung unerwünschter und den ästhetischen und moralischen Ansprüchen ungenügender kultureller Produkte eine zentrale Rolle. Er wird bis heute als abfällig-wertende Beschreibungsformel für minderwertige Kunstprodukte (Literatur, Musik, Film etc.) weiterverwendet, wobei beachtet werden muss, dass manche Zuschauergemeinden „Schund“ (oder vor allem die äquivalenten englischen Bezeichnungen Trash oder Pulp) als positive Wertungskategorie verwenden, darin auf eine besondere Qualität der Zuschaugratifikationen abhebend, die die minderen technischen, ästhetischen und moralischen Eigenschaften des jeweiligen Werks als eigenes Kontrollerlebnis feiern. Regisseure wie Ed Wood aus den 1950er Jahren wurden unter diesem Vorzeichnen neu entdeckt und kanonisiert; und einige Regisseure der 1990er und folgende griffen bewusst auf die Inszenierungsweisen des Trashfilms zurück (am bekanntesten ist wohl Quentin Tarantino geworden).


Literatur: Maase, Kaspar: Die Kinder der Massenkultur. Kontroversen um Schmutz und Schund seit dem Kaiserreich. Frankfurt [...]: Campus 2012. – Schund und Schönheit. Populäre Kultur um 1900. Hrsg. v. Kaspar Maase und Wolfgang Kaschuba. Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2001. Darin bes. S. 62ff, 92ff.  – Storim, Mirjam: Ästhetik im Umbruch. Zur Funktion der "Rede über Kunst" um 1900 am Beispiel der Debatte um Schmutz und Schund. Tübingen: Niemeyer 2002. 

Referenzen:

cinéma bis

Eurotrash

Kinoreformbewegung

nanar

navet

Pulp-Literatur

schlockbuster movie

Schmuddelfilm

video nasties


Artikel zuletzt geändert am 01.09.2015


Verfasser: HHM


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