Lexikon der Filmbegriffe

Abhören im Film

Zwar gilt der Schutz der Privatsphäre auch in den meisten diegetischen Welten des Films, doch ist das Abhören von anderen ein dramatisches Kernmotiv vor allem des Krimis und des Politthrillers. Dass die Stasi Wohnungen von Dissidenten verwanzt hat (wie etwa in Das Leben der anderen, BRD 2006,  Florian Henckel von Donnersmarck), dass diese wiederum davon wissen oder dergleichen erahnen und sich entsprechend verhalten, ist Teil der eigenartigen Lebensbedingungen unter totalitären Verhältnissen. Aber auch oppositionell gesinnte Gruppen greifen zum Mittel des Abhörens, um an vertrauliche Informationen zu gelangen (wie in Sneakers, USA 1991, Phil Alden Robinson). Neben Wanzen (Mikrophone, die in der Wohnung versteckt werden) werden auch Richtmikrophone eingesetzt, die es gestatten, Gespräche aus manchmal erheblicher Entfernung mitzuhören. Als Klassiker des Motivs gilt Francis Ford Coppolas paranoider Verschwörungsthriller The Conversation (USA 1973) über einen professionellen Abhörspezialisten, der in eine Mord-Intrige verstrickt wird; die Geschichte wurde in Enemy of the State (USA 1998, Tony Scott) variiert. Realer Anlass zur Dramatisierung war natürlich die Watergate-Affäre (dramatisiert in All the President's Men, USA 1976, Alan J. Pakula). Anders als die Öffentlichkeitsbeobachtung mittels Überwachungskameras ist das Abhören ein klar intentional gesteuerter Eingriff in die geschützte Privatsphäre der Abgehörten, also auch nicht unter dem Vorzeichen einer allgemeinen „Überwachungsgesellschaft“ rubriziert. ´


Literatur: Turner, John S. II.: Collapsing the interior/exterior distinction: surveillance, spectacle, and suspense in popular cinema. In: Wide Angle 20,4, 1998, S. 92‑123.

Referenzen:

Überwachungskameras im Film


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: JvH


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