Lexikon der Filmbegriffe

Fotoroman: Vor- und Gründungsgeschichte

Schon in den 1930er Jahren drangen die kommerziellen Idole der Leinwand in cinéromans oder cineromanzi bis in die armen italienischen Landgemeinden vor, in denen es noch keine Kinos gab, und konfrontierten die Landbevölkerung mit den Unterhaltungsangeboten der Kinoindustrie in den Bild- und Erzählwelten des Fotoromans: Die Wochenpresse verbreitete damals häufig Fotos bekannter Filme, verbunden mit einer längeren, auf Spannung zielenden Inhaltsangabe, um so für die Filme zu werben. Erst nach dem Krieg entwickelte sich der Fotoroman als eigenständiges Genre, indem er Handlungstypologien des Groschen- und Feuilletonromans mit der Sprachtechnik amerikanischer Comic Strips verband.
Nach dem Weltkrieg gründeten die Gebrüder Del Duca in Italien die Wochenzeitschrift Grand Hotel, benannt nach dem gleichnamigen Film mit Greta Garbo und Joan Crawford. Grand Hotel brachte aus Comic-Zeichnungen bestehende Romane, die wegen ihrer Themen und ihres Aufbaus als Vorläufer der Fotoromane anzusehen sind. 1947 schuf der italienische Filmregisseur Damiano Damiani zusammen mit dem Journalisten Stefano Reda einen ersten durchgearbeiteten Fotoroman für die Zeitschrift Bolero, an dem sich die Grenzstellung der Gattung zwischen Roman, Comic-Strip und Film absehen ließ. Der Erfolg war überwältigend. Ohne zu zögern, brachten die Brüder Del Duca in Frankreich, zunächst 14tägig, ab der fünften Nummer wöchentlich, die Zeitschrift Nous Deux heraus. Sie veröffentlichte gezeichnete Romane und ab Juni 1949 sieben Seiten Fotoromane in Fortsetzung. Der erste vollständige Fotoroman erschien am 9.8.1950 und hieß A l`aube de l`amour.


Artikel zuletzt geändert am 01.08.2011


Verfasser: JH


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