Lexikon der Filmbegriffe

Happy-End: Typologie


Beim Happy-End lassen sich vier Spielarten unterscheiden:



(1) Das Happy-End weist eine große Realitätskonformität und somit Glaubwürdigkeit auf, wie z. B. bei Good Will Hunting (USA 1997, Gus van Sant), in dem der Titelheld seine psychotherapeutische Behandlung vorerst abschließen und am Ende der Therapie einen Lebensplan entwickeln kann. Er verlässt erstmals Boston und folgt seiner großen Liebe Skylar nach Kalifornien. Sein bester Freund und sein Psychologe – die beiden wichtigsten Bezugspersonen am Ende des Films – zeigen sich erfreut über seine Entscheidung; dennoch bleibt die Zukunft Will Huntings offen.



(2) Das Happy-End nimmt fantastisch  übersteigerte Zuge an, wie z. B. bei The Kid (USA 1921, Charles Chaplin): Das berühmte „Ende vor dem Ende“ stellt einen fantastisch überhöhten Traum des Tramps dar, in dem er mit seinem temporären Adoptivsohn wieder vereint sein kann. Das Aufwachen bringt ihn zwar zunächst  in die harsche Realität zurück – der Polizist, der ihn weckt, verhaftet ihn jedoch nicht, sondern nimmt ihn zu einer Familienzusammenführung mit: Er darf seinen Adoptivsohn weiterhin besuchen.


(3) Das Ende weist eine selbstironische Komponente auf, durch die es partiell relativiert wird, z.B. bei Whatever Works (USA 2009, Woody Allen): Der Titel des Films ist die Prämisse für sein Ende, in dem der Erzähler auch die abwegigsten Paarkonstellationen unter eben diesem Leitsatz rechtfertigt. Alle feiern gemeinsam, niemand trägt dem anderen etwas nach, gleichzeitig wird das übermäßig fröhliche Ende durch die existenzialistische Folie des Films ironisch konterkariert.


(4) Das Ende erfährt eine groteske ironische Verzerrung, z.B. bei Belle de Jour (Frankreich 1967, Luis Buñuel): Die Konsequenzen der durch Séverines Handlungen herbeigeführten Tragödie werden rückgängig gemacht – Pierre erhebt sich und kann wieder laufen, verzeiht Séverine alles und kündigt seine Pläne für die Zukunft an. Die (Narren-)Schelle, im gesamten Film zur Markierung von Uneigentlichkeit eingesetzt, untermalt die Szene und irrealisiert sie.


Literatur: Christen, Thomas: Das Ende im Spielfilm. Vom klassischen Hollywood zu Antonionis offenen Formen. Marburg: Schüren 2001. – Strank, Willem: Markierungen des Irrealen. In: Der Soundtrack unserer Träume. Hrsg. v. Konrad Heiland u. Theo Piegler. Gießen: Psychosozial 2013, S. 115-125. – Strank, Willem: Twist Endings. Umdeutende Film-Enden. Marburg: Schüren 2014.


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: SW


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