Lexikon der Filmbegriffe

Happy-End

engl.: happy ending


Zu den typischen Formen des geschlossenen Endes gehört das insbesondere im Hollywood-Film konventionelle Happy-End, bei dem die Konflikte im Einklang mit den Wünschen der Protagonisten gelöst werden. Die Möglichkeiten der Motivation des Schlusses sind von zweierlei Art: generisch – d.h. basierend auf intertextuell bzw. diskursiv konventionalisierten Erwartungen – und dramaturgisch – als plausible Fortführungen der jeweiligen Geschichten –, die sich wiederum unterteilen lassen in eine kausale und eine nicht-kausale Motivation, die an das Wunderbare grenzt. Insbesondere die generische Motivation ist häufig Gegenstand selbstironischer Happy-End-Diskurse im Film geworden.


Christen bricht die Definition des Happy-End auf zwei wesentliche Kriterien herunter: (1) Das Ende ist nach dem Konzept der „poetischen Gerechtigkeit“ moralisch positiv zu bewerten; dabei gelten die herrschenden Moralvorstellungen (eine conclusio der Handlung, die eine bis in die Antike zurückreichende Vorgeschichte in Theater, Oper und Roman besitzt). (2) Das Ende ist plausibler Endpunkt der Geschichte. Die Plausibilitäten von Happy-Ends können weit auseinander gehen, bis zur Extremform, dass es wie angeklebt erscheint, als kaum begründbare Wendung am Schluss, die eher als Eingriff der narrativen Instanz erscheint denn als glückliches Resultat der Handlung. Die Erwartbarkeit eines positiven Abschlusses verlagert die Erwartung eines glücklichen Ausgangs auf die Handlung selbst – je unwahrscheinlicher das Happy-End wird, desto größer ist das Erlebnis der Lösung der Spannung am Ende.


Dem Happy-End gegenüber steht das ähnlich regulierte und im Vorhinein der Erwartungen bekannte Ende einer Tragödie, aber auch das melancholische sad bzw. bitter ending.


Literatur: Bordwell, David: Happily Ever After, Part II. In: The Velvet Light Trap, 19, 1982, S. 2-7. – Caston, Emily: Hollywood Film blanc, The Great American Tradition: Wish‑Fulfillment and Happy Endings in Film Narratives from Charles Dickens to Charlie Kaufman. Newcastle upon Tyne: Cambridge Scholars 2010. - Christen, Thomas: Das Ende im Spielfilm. Vom klassischen Hollywood zu Antonionis offenen Formen. Marburg: Schüren 2001. – Coldwell, C. Carter: Where is happiness? A study in film closure. In: Journal of the University of Film Association 33,1, Winter 1981, S. 39-48. – MacDowell, James: Happy endings in Hollywood cinema. Cliché, convention and the final couple. Edinburgh: Edinburgh University Press 2013. - Parey, Armelle/ Roblin, Isabelle/ Sipière, Dominique (eds.): Happy endings and films. Paris: Houdiard 2010.


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: SW


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