Lexikon der Filmbegriffe

disegno


ital., von lat.: designare = bezeichnen, zeichnen, im Umriss darstellen; dt. manchmal: Schnittzeichnung



Disegno bedeutet in der Kunsttheorie sowohl eine besondere Zeichnung wie aber auch eine künstlerische Idee, einen Entwurf oder sogar ein geistiges Konzept in einem religiösen Sinne. Der Architekt und Maler Giorgio Vasari führte im 16. Jahrhundert für die drei Künste des disegno – Malerei, Bildhauerei und Architektur – den Begriff arti del disegno ein. Er verfolgte damit einen dreifachen Zweck: (1) Die Zeichnung sollte ein Dokument der Inspiration des Künstlers sein; (2) sie sollte eine Organisation der Herstellung des eigentlichen (Kunst-)Werks in handwerklicher Arbeitsteilung ermöglichen; (3) sie sollte die Kommunikation mit Auftraggebern anschaulich erweitern. Manchmal bezeichnete der Begriff auch die allgemeine Fähigkeit des Künstlers zur Inspiration, durch die er in Verbindung mit Gott (dem eigentlichen Schöpfer) gebracht werden konnte.



Zeichnung im Sinne des disegno war Form gewordene Idee, die durch Imagination durch eine lineare Zeichnung zu Papier gebracht werden konnte (entsprechend wurde manchmal zwischen dem disegno interno, der Idee des Kunstwerks, und dem disegno externo, der Realisierung durch den Künstler, unterschieden). Im 19. Jahrhundert bürgerte sich ein Verständnis des disegno als reines Hilfsmittel (Vorstudie, Okanstudie des endgültigen Werks) ein.


Literatur: Kemp, Wolfgang: Disegno. Beiträge zur Geschichte des Begriffs zwischen 1547 und 1607. In: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 19, 1974, S. 219‑240.


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: JvH W


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