Lexikon der Filmbegriffe

Schmutzfilm

auch: Schundfilm, Schmuddelfilm; engl. (nur als Gelegenheitsbezeichnung im Kontext der Jugendgefährdung): filth, trash


Wohl im Kontext der konservativen und medienbewahrenden Diskussion um „Schmutz und Schund“ entstand in den späten Jahren des Kaiserreichs der abwertende Alltagsbegriff des Schmutzfilms. Schmutz war hier keine materielle, sondern eine moralische Kategorie, Teil einer allgemeinen Sittlichkeit (der man die „Reinheit“ entgegenstellen sollte – dann geht die Metapher auf). Bis dahin mehr oder weniger explizite Handlungsanleitung der Zensurbehörden, wurde der Begriff mit dem Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund‑ und Schmutzschriften auch zu einem Rechtsterminus; das Gesetz sollte dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor jugendgefährdenden Schriften dienen, der sogenannten Schundliteratur (1926-1935). Vor allem kulturkonservative Kräfte setzten nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland die Wiedereinführung eines Schmutz‑ und Schundgesetzes durch, das nach diversen Gesetzen in den Bundesländern mit dem Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften zu bundeseinheitlichem Recht wurde (9.6.1953, BGBl. I S. 377), auf deren Grundlage die Bundesprüfstelle ihre Arbeit aufnahm. 2003 erfolgte eine Revision des Gesetzes zu dem seitdem geltenden Jugendschutzgesetz.


Literatur: Dettmar, Ute: Der Kampf gegen „Schmutz und Schund“. In: Joachim Neuhaus (Hrsg.): Die Kinder‑ und Jugendliteratur in der Zeit der Weimarer Republik. Frankfurt: Lang 2012, S. 565–586. – Jäger, Georg: Der Kampf gegen Schmutz und Schund. Die Reaktion der Gebildeten auf die Unterhaltungsindustrie. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 31,1988, S. 163‑191. – Maase, Kaspar: Die Kinder der Massenkultur. Kontroversen um Schmutz und Schund seit dem Kaiserreich. Frankfurt: Campus 2012.

Referenzen:

Schmuddelfilm


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: HHM


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