Lexikon der Filmbegriffe

Überwachungskameras im Film


Seitdem Überwachungskameras in der Realität selbstverständlich geworden sind, sind Bilder dieser so wenig intentional geführten Kameras auch im Film thematisch geworden. In Kriminalfällen, in denen Aufzeichnungen in Banken, von öffentlichen Plätzen oder von Tankstellen geben sie oft wertvolle Hinweise auf die Täter, gelten gar als Beweismittel. Manchmal muss die Kamera überlistet werden, indem man ihr ein Bild zuspielt, das bereits vorher aufgenommen wurde, so dass die Täter ungestört und unbeobachtet ihr Verbrechen ausführen können. Ist der Held auf der Flucht, muss er nicht nur seinen Verfolgern, sondern auch den allgegenwärtigen Kameras entkommen. Manchmal wird die Bewegung einer Figur durch ein überwachtes Gebäude wie auf einer Split-Screen auf den Monitoren der Überwacher sichtbar. Und auch Attentäter können mithilfe der Überwachungsbilder gezielt zur Tat angewiesen werden (ein bekanntes Beispiel stammt aus The Bourne Ultimatum, USA 2007, Paul Greengrass).



Die Protokollbilder der Überwachungskameras sind durchwegs schwarzweiße Videobilder, klar gegen den Kontext abgegrenzt. Auch im Fernseh-Film geben sie deutliche Hinweise auf eine Gesellschaft, in der das Private beobachtbar geworden ist. Weltraumbilder – ein zweiter Typus der Protokollkamera – dienen als Transitionen dazu, den Übergang von einem Handlungsort zum anderen zu symbolisieren.



Diskursiv sind diese Bilder Ausdruck einer Kontroll- und Überwachungsgesellschaft, in der das Private nicht mehr oder nicht mehr vollständig gegen den Blick anderer abgeschirmt werden kann. Darum auch werden diese Bilder oft reflexiv eingesetzt. Michael Hanekes Caché (Frankreich [...] 2005)eröffnet die Erzählung mit einer fünfminütigen ungeschnittenen Aufnahme einer Kamera, die ein Bürgerhaus beobachtet, ohne dass etwas geschieht – ein Hinweis darauf, dass die Kamera nicht durch die Handlung geführt wird, sondern einen neutralen und leidenschaftslosen Blick auf ihr Objekt richtet. 


Literatur: Kammerer, Dietmar: Bilder der Überwachung. Frankfurt: Suhrkamp 2008. – Turner, John S. II.: Collapsing the Interior/Exterior Distinction: Surveillance, Spectacle, and Suspense in Popular Cinema. In: Wide Angle 20,4, 1998, S. 92‑123. – Zimmer, Catherine: Surveillance Cinema. New York/London: New York University Press 2015.

Referenzen:

Abhören im Film

Panoptikon


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: JvH


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