Lexikon der Filmbegriffe

Toilettenszene

von frz.: toilette = Tüchlein, auf dem man die zur Schönheitsproduktion notwendigen Utensilien ausbreitete (18. Jh.)


Der aus der Kunstgeschichte stammende Begriff der Toilettenszene und bezeichnet dort die Genre-Darstellung der Körperpflege, vor allem des Sich‑Zurecht‑Machens (Körperpflege und Ankleiden), die Praktiken des Schminkens, Frisierens, Parfümierens oder das Anlegen von Kleidung und Schmuck, oft unterstützt durch Diener und Dienerinnen, Zofen, Familienmitglieder usw. Derartige Szenen zeigen entweder die meist weiblichen Figur als Figuren in den rituellen Maskierungen öffentlichen Erscheinens und des demonstrativen Ausstellens von Reichtum, Macht oder Exklusivität (weshalb sich Toilettenszenen gehäuft in historischen Filmen, die im Adelsmilieu spielen, aber auch in Kontexten wie dem Militär, der Bühne etc. finden); hier werden private Figuren in öffentliche Würdenträger transformiert. Oder sie zeigen Figuren, die sich im Sich-Zurechtmachen auf wichtige Begegnungen vorbereiten, ihr Auftreten in der Öffentlichkeit kontrollieren, sich vielleicht auch kritisch gegenüberstehen. Der Spiegel spielt in dieser Art der Toilettenszene eine wichtige Rolle; die Begegnung der Figur mit sich selbst ist oft ein Moment hoher empathischer Dichte, schafft einen Zugang zur Innenwelt der Figur.


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: HJW


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