Lexikon der Filmbegriffe

rührendes Lustspiel



auch: rührende Komödie; gelegentlich auch: weinerliches Lustspiel; manchmal nur: Rührstück; von G.E. Lessing aus dem Frz. übersetzt: comédie larmoyante




Das rührende Lustspiel ist ein Theatergenre des 18. Jahrhunderts, das ähnlich wie das bürgerliche Trauerspiel die bis dahin geltende Ständeklausel (es dürfen nur Figuren adeligen Standes auftreten) kritisiert, aber anders als jenes glücklich ausgeht. Ins Zentrum rücken Werte und Tugenden, die nicht an Ständezugehörigkeiten gebunden sind, sondern allgemeinere soziale Bindungen betreffen (wie etwa Elternliebe und Kindesliebe, Rechtschaffenheit oder Aufrichtigkeit usw.).



Höchst gelegentlich wird der Begriff in der zeitgenössischen Filmkritik verwendet, wobei mit der Bezeichnung zugleich der Wertehorizont und der moralische Kern der so annoncierten Geschichten vermerkt wird. Ein Beispiel neueren Datums ist die französische Komödie Intouchables (Ziemlich beste Freunde, 2011, Eric Toledano, Olivier Nakache) über die Beziehung eines an den Rollstuhl gefesselten Franzosen adeliger Herkunft mit einem jungen Migranten als Pfleger.



Literatur: Kappelhoff, Hermann: Tränenseligkeit. Das sentimentale Genießen und das melodramatische Kino. In: Kinogefühle. Emotionalität und Film. Hrsg. v. Matthias Brütsch. Marburg: Schüren 2009, S. 33-50. – Poltrum, Martin / Leitner, Roswitha: Existenzanalytische Kinotherapie. Filme als Balsam der Seele. In: Wiener Zeitschrift für Suchtforschung 32,1, 2009, S. 47-52. – Saße, Günter: Die Ordnung der Gefühle. Das Drama der Liebesheirat im 18. Jahrhundert. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996.


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: KB


Zurück