Lexikon der Filmbegriffe

Illustrationsmusik



von lat.: illustrare = erleuchten, erklären, preisen; meist im Sinne einer formalen, graphischen oder kasuistischen



Veranschaulichung eines Sachverhalts



Als Bildbeigabe oder Abbildung ein gängiger Begriff im Printbereich bedeutet im filmischen Kontext die musikalische (Film-) Illustration die Zusammenstellung (compilation score) einer  Begleitung für einen konkreten Film aus bereits existenten Musikstücken. Dies geschah in der Zeit des Stummfilms mit Hilfe der von den Kinomusikern angelegten Zettelkästen für ihre Notenarchive oder/und gedruckter Spezialsammlungen (Kinothek) bzw. anhand von „Musikfahrplänen“ (cue sheets), die von großen Filmfirmen den Leihkopien beigegeben oder in Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. In der Endphase des Stummfilms kamen die systematisch rubrizierten Empfehlungen in Vademecums wie dem Allgemeinen Handbuch der Film-Musik (Berlin 1927) von Becce, Brav und Erdmann oder Ernö Rapées Encyclopedia of Music for Films (New York 1925) hinzu. Der Begriff der Illustration wurde im angelsächsischen Raum von der Stummfilmzeit an analog seiner Bedeutungen im Deutschen verwendet.



Die Kunst der Film-Illustration wurde in der Regel von den Kinokapellmeistern, in großen Premieren-Kinos auch von spezialisierten Arrangeuren ausgeübt. Nachfahren dieser (Filmmusik-) Illustratoren sind die Musikredakteure in den Fernsehanstalten, die mit Hilfe von Tonträgern Musikbegleitungen für Features, Dokumentarsendungen usw. zusammenstellen.




Die im zeitgenössischen Schrifttum zu findende Gegenüberstellung von Illustration und Komposition zeigt, dass erstere seinerzeit nicht gleichgesetzt wurde mit der späteren Begriffseinengung und funktionalen Spezifizierung der illustrativen Tonfilmmusik im Sinne von deskriptiver akustischer Bebilderung (Tonmalerei) des (äußeren) Leinwandgeschehens (wie in den Formen des underscoring oder des mickey mousing), sondern die Gesamtheit der zusammengestellten Musiken in Abgrenzung zu einer Originalkomposition bezeichnete. Ein synonym benutzter Begriff war die Begleitmusik (auch: Filmbegleitmusik; Arnold Schönberg  verwandte ihn z.B. für sein (Konzert-) Opus 34  „Begleitmusik zu einer Lichtspielscene“ aus dem Jahre 1930).


 


Literatur: G. Becce: Film und Musik. Illustration oder Komposition; In. Melos 7, 1928, S. 170-172. – Stollberg, Arne: Illustration oder Komposition? Camille Saint‑Saëns' Musik zu L'Assassinat du Duc de Guise (1908) im Licht späterer Gattungskonventionen. In: Ton‑Spuren aus der Alten Welt.Eeuropäische Filmmusik bis 1945. München: text + kritik 2013, S. 93‑124. – Ernö Rappée: Kinokatalog. Ratgeber zur musikalischen Filmillustration. [Kinomusikalische Klassifizierung der Orchesterwerke aus der Lyra‑Edition (1926)]. Leipzig: Benjamin 1926. Engl.: Encyclopedia of Music for Films. New York 1925. Repr. New York: Arno Press 1970.

Referenzen:

cue sheet

Kinothek

mickey mousing


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: WT


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