Lexikon der Filmbegriffe

Illustration


von lat.: illustrare = erleuchten, erklären, preisen; meist im Sinne einer formalen, graphischen oder kasuistischen Veranschaulichung eines Sachverhalts



Illustrationen sind alle Arten des Veranschaulichens und Verständlichmachens eines Sachverhalts. Ob dabei sprachliche, visuelle oder akustische Mittel zum Einsatz kommen, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Eine besondere Rolle spielten dabei vor allem in der wissenschaftlichen Literatur Bilder von Gegenständen, die sich eindeutig nur mit visuell-anschaulichen Techniken vermitteln lassen (wie z.B. bei anatomischen Abbildungen, sogenannten „Kräuterbüchern“ oder bei technischen Beschreibungen). Abbildungen dieser Art haben didaktische Aufgaben und finden sich in allen Traditionen des Enzyklopädismus (angefangen von  Diderots und d'Alemberts Encyclopédie).



Die Illustration ist eine elementare semiotische bzw. kommunikative Funktion und findet sich entsprechend vor allem in den Formaten des Sachfilms, aber auch in diegetischen Kontexten, die sich der Anschaulichkeit entziehen (wenn es etwa um geostrategische Verhältnisse geht, um mikroskopische Realitäten u.ä.). Sie steht in der Nähe der Exemplifikation, in der das Individuum sozusagen die Gattungsmerkmale repräsentiert (das Bild eines Elefanten ist ein Beispiel der Gattung). Auch die Konkretion als semiotisch-kommunikative Strategie liegt auf dieser Linie. Selbst zeitliche Verhältnisse verlangen gelegentlich nach Illustrationen (etwa in Form von flow charts / Flußdiagrammen, aber auch in spielerischen vorwegnehmenden schnellen Szenenfolgen, die zeigen, was passiert, wenn...). In einem eher pragmatischen Sinne ist die Illustration eine Form der Demonstration resp. der demonstrativen Exposition von Bedeutungen. Karl Bühlers demonstratio ad oculos war zwar unmittelbar mit der Hier-und-Jetzt-Situation der Kommunizierenden verbunden, doch ist auch die Illustration eine Form des Vor-Augen-Führens, die zur Vereindeutigung und Klärung des Gegenstands in Rede führt (bei Bühler z.B. in der Form der Deixis am Phantasma).



Literatur: Hupka, Werner: Wort und Bild. Die Illustrationen in Wörterbüchern und Enzyklopädie. Tübingen: Niemeyer 1989. – Bühler, Karl: Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. Stuttgart: Gustav Fischer 1965. Zuerst 1934.; v.a. S. 102-148. – Weissenborn, Jürgen (1988). Von der demonstratio ad oculos zur Deixis am Phantasma. Die Entwicklung der lokalen Referenz bei Kindern. In: Karl Bühler's Theory of Language. [...] Amsterdam: Benjamins 1988, S. 257-276.


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: HJW


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