Lexikon der Filmbegriffe

Hochstaplerfilm

engl.: con man film, long con film, abgeleitet von engl.: confidence trick; gemeint sind nicht kurzfristige Täuschungen, sondern längerfristige Betrügereien, Vortäuschungen falscher Identitäten und Tatsachen etc.



Der Hochstaplerfilm ist ein eng mit der Pikareske verwandtes Filmgenre, das zahlreiche Schnittmengen mit dem long con film aufweist bzw. teils synonym mit diesem ist. Im Mittelpunkt steht die aufwendige Inszenierung eines virtuosen Trickbetrugs durch einen oder mehrere meist sympathische Anti-Helden, die einen wohlhabenden Gegenspieler um sein Vermögen bringen. Häufig wird der Zuschauer im Ungewissen darüber gelassen, wie der Plan im Detail aussieht und welche Ereignisse Teil der Inszenierung sind – in einem finalen, mit erklärenden Rückblenden unterfütterten Twist enthüllt sich dann die Komplexität des Tricks. Dabei entpuppt sich der Hochstaplerfilm (analog zu seiner Hauptfigur) gelegentlich als Chamäleon unter den Gattungen, das durch Anpassung an unterschiedliche Genreskripte beim Zuschauer stereotype Erwartungshaltungen abruft, um ihn hinters Licht zu führen: Der vermeintliche Shoot-Out zwischen Gangstern und FBI-Agenten am Schluss von The Sting (1973, George Roy Hill) entpuppt sich als fake, die AIDS-Erkrankung des homosexuellen Protagonisten in I Love You Philip Morris (2008, Glenn Ficarra, John Requa) als Finte, um aus dem Gefängnis freizukommen.



Hochstaplerstoffe, die besonders stark mit der kulturellen Topik der USA verknüpft, sind daher häufig auch Meta-Kino: Schauspieler/Regisseure wie Orson Welles oder Woody Allen kokettieren in ihrer Rollenpersona mit dem Scharlatan; im Finale von Sam Raimis Oz the Great and Powerful (2013) schwingt sich der Zauberer von Oz, der bekannteste Hochstapler der amerikanischen Kulturgeschichte, zum Filmregisseur auf, der bewegte Bilder in den Nachthimmel projiziert.



Literatur: Kriesch, Dorothée: Ausgetrickst! Zuschauertäuschung im zeitgenössischen US-amerikanischen long con-Film. Trier: WVT 2014. – Schwanebeck, Wieland: Watch Me If You Can: The Return of the Impostor in Contemporary Film. In: Fake Identity? The Impostor Narrative in North American Culture. Ed. by Caroline Rosenthal & Stefanie Schäfer. Frankfurt/New York: Campus 2014, S. 162-177.

Referenzen:

Pikareske

plot twist


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: WIS


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