Lexikon der Filmbegriffe

Gänsehauteffekt


engl.: chill, chilling effect; selten auch: creep; deutet eine auf eine tiefe Verbindung zwischen Wahrnehmung und Physiologie hin (etwa in der Redewendung „unter die Haut gehen“)



Man spricht von Gänsehaut, wenn in einer vom vegetativen Nervensystem gesteuerten Kontraktion des Haarbalgmuskels sich der Haarfollikel über die Hautoberfläche erhebt und sich das Haar aufrichtet (lat.: piloerection). Dies dient einerseits zur Regulation des Kälteempfindens, wird aber auch durch emotionale Erlebnisse angeregt. Jubelnde Menschenmengen, Schauderszenarien im Film oder auch starkes Spannungserleben („Thrill“) sind Anlässe bzw. Begleiterscheinungen des Gänsehauteffekts, wobei die Abhängigkeit von Persönlichkeitsvariablen inzwischen deutlich geworden ist. Eine besondere Rolle scheint dabei die Musik zu spielen, die vor allem in Verbindung mit Schaudern auch empirisch untersucht wurde. Die physiologische Reaktion „Gänsehaut“ tritt zum einen als kognitiv-emotionaler Modus der Erwartungskonstitution und der damit verbundenen (vorwegnehmenden) Rezeption diegetischer Handlungsverläufe auf; sie findet sich aber auch als kognitiv-moralische Manifestation der Textevaluation, wenn etwa jubelnde Menschenmassen den totalen Krieg fordern (wobei wiederum das Wissen von Rezipienten wie auch individuelle Erinnerungen von großer Bedeutung für das Zustandekommen des Effekts sind).



Literatur: Gabrielsson, Alf: Strong experiences with music. Oxford [...]: Oxford University Press 2011. – Panksepp, Jaak: The emotional sources of „chills“ induced by music. In: Music Perception 13,2, 1995, S. 171-207. – Wassiliwizky, Eugen [...]: Art‑Elicited Chills Indicate States of Being Moved.  In: Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts, 27.7.2015.

Referenzen:

creepfest


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: KB


Zurück