Lexikon der Filmbegriffe

Backfischfilme (1)

In den kurzen Serien‑ und Lustspielfilmen mit außergewöhnlichen Hauptdarstellerinnen vor und während des Ersten Weltkriegs wird eine spezielle, groteske Körperkomik sichtbar, die in Maskeraden und mimisch‑gestischen Inszenierungen erlebbar wird. Meist handelt es sich um Alltagsgeschichten. In Verrenkungen, Ausbrüchen, Attacken auf andere Körper oder im Zerstören ganzer Hauseinrichtungen repräsentieren die französischen „Rosalie“‑ und „Léontine“‑Filme oder die italienischen Serien mit „Lea“ und „Gigetta“ auch die prekären Geschlechterverhältnisse und sozialpolitischen Umwälzungen dieser Ära. In Deutschland agieren Asta Nielsen, Ossi Oswalda und Dorrit Weixler in ihren Filmen hinreißend als rebellische junge „Backfische“. Die Schauspielerinnen fungierten hier als subversive Erzählerinnen: Sie führten dem Publikum die Thematik der weiblichen Pubertät im Verhältnis zu Autoritätspersonen vor Augen, aber auch das sexuell Anzügliche, das Nicht‑Angepasste, das Hässliche. Gerade angesichts der Tatsache, dass ein stark körperbezogener Ausdruck von Frauen vor allem in bürgerlichen Kreisen keineswegs gesellschaftsfähig war, zeigen die seinerzeit oft als Backfisch-Filme bezeichneten Streifen ihren subversiven Charakter.


Literatur: Preschl, Claudia: Lachende Körper. Komikerinnen im Kino der 1910er Jahre. Wien: Synema 2008.


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2015


Verfasser: KB


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