Lexikon der Filmbegriffe

Body-Horror (1)

eigentlich engl.: body horror (= Körperhorror)


Im Zentrum des Body-Horrors – eine Bezeichnung, mit der eher eine Dramaturgie der Inszenierung als ein eigenes Genre bezeichnet wird – steht die radikale, in der Regel destruktive Veränderung des (fast immer menschlichen) Körpers – Metamorphosen, Verstümmelungen, Mutationen, starke Formen von Deformation oder ausgeprägte Folgen parasitären Befalls. Häufig haben die exponierte Wunde und das Spiel mit der existenziellen Funktion des Körperlichen in der visuellen Inszenierung einen hohen Stellenwert, bilden attraktionelle Höhepunkte des Films. Schon in den Gestaltwandler-Filmen, die dem Body-Horror verpflichtet sind (wie etwa An American Werewolf in London, USA 1981, John Landis), ist die Transformation des Körpers eine höchst schmerzhafte Sache. Nur in Ausnahmefällen ruft die Mutation des Körpers auch Genuss hervor (z.B. Tetsuo, 1989 Japan, Shin‘ya Tsukamoto, oder In My Skin, USA 2002, Marina de Van); oft ist sie dann an nicht-menschlichen Geschöpfen dargestellt, deren Erscheinung mit ästhetischen Darstellungsnormen und Normalitätsvorstellungen bricht (z.B. Society, USA 1989, Brian Yuzna, oder Hellbound – Hellraiser II, Großbritannien 1988, Tony Randel). Gemein ist allen diesen Darstellungen aber die Destruktion des ersten Körpers und ihre Transformation in einen Körper, der aber einer anderen Gattung zugehört, nicht von dieser Welt ist, dem seine Gefährlichkeit meist unmittelbar abzulesen ist oder die Anzeichen des Verfalls (Verfaulen etc.) zeigt.


Die explizit dargestellte und oft sensationalistisch gefärbte Körperveränderung und -verformung geht auf eine sehr lange Tradition der Filmgeschichte zurück (man denke an  Frankenstein, USA 1910, James Searle Dawley, oder die schon erwähnten lykantrophen Gestalten). Eine Pionierrolle wird den frühen Filmen David Cronenbergs zugeschrieben (der Terminus body horror wurde erstmalig in Verbindung mit der Analyse des kanadischen Filmemachers verwendet). Bereits in Cronenbergs Langfilm-Debüt Shivers (1975), besonders ausgeprägt aber in Videodrome (1983) und The Fly (Kanada/USA 1986) nehmen Körperverformungen in der Formation des Zuschauererlebens eine elementare Rolle ein.


Literatur: Badley, Linda: Film, horror, and the body fantastic. Westport, Conn. [...]: Greenwood Press 1995. – Campbell, Donald. Dario Argento’s Phenomena (1985): A psychoanalytic perspective on the ,horror film‘ genre and adolescent development. In: The couch and the silver screen. Psychoanalytic reflections on European cinema. Ed. by Andrea Sabbadini. London: Brunner‑Routledge 2003, S. 128‑138. – Lopez Cruz, Ronald Allan: Mutations and Metamorphoses: Body Horror is Biological Horror. In: Journal of Popular Film and Television 40,4, 2012, S. 160‑168.

Referenzen:

Body-Horror (2)


Artikel zuletzt geändert am 05.10.2015


Verfasser: MRA


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