Lexikon der Filmbegriffe

Hippie-Film

Die amerikanische Hippie-Kultur der 1960er war in ihren Erscheinungsformen nicht allein durch mediale Inszenierungsformen angeregt und suchte immer wieder Ausdrucksformen, die das mediale Bild der Hippie-Gegenkultur wie eine Art von Spiegel für sich selbst und andere formierten. Die Hippiekultur wurde zugleich zum Gegenstand der Filmindustrie – sowohl in Produktionen des Mainstream wie aber auch der Untergrundmedien. Schon Bonnie and Clyde (1967, Arthur Penn) führte die Entfremdung und den verzweifelten Protest Jugendlicher der 1960er in Bilder Jugendlicher der 1930er vor. Viele der Filme beuteten das Hippie-Image in diversen Exploitation-Filmen aus, wenn sie Haschisch- und LSD-Drogenkonsum, freie Sexualität und wilde Drogenparties zum Zentrum der Handlung machten. Zu den Beispielen zählen The Love‑Ins (1967, Arthur Dreifuss), The Trip (1967, Roger Corman) oder Wild in the Streets (1968, Barry Shear).


Eine ganze Reihe von Filmen suchte aber das Hippie-Phänomen in die politischen Kontexte der Zeit einzugliedern. Das Road-Movie Easy Rider (1969, Dennis Hopper) mit der Musik von Steppenwolf wurde zur Hymne des Hippietums; der Film positionierte das Freiheitsbestreben der Hippie-Helden in der Tiefenideologie der américanité und kontrastierte sie scharf gegen das reaktionäre bürgerliche Amerika. Auch Medium Cool (1969, Haskell Wexler), der Spiel- und Dokumentaraufnahmen kombiniert und anhand der 1968er Rassenunruhen in Chicago die rassistischen und gewalttätigen Exzesse der amerikanischen Politik und Administration anprangert, kontextualisiert die Hippie-Kultur in einem politischen Horizont. Eine große Rolle spielten Musikdokumentationen wie  Monterey Pop (1968, Don A. Pennebaker) oder Woodstock (1970, Michael Wadleigh).


Seit den 1970ern ist die kurze Phase der Hippiekultur vielfach als Umbruchphase (oft in Verbindung mit Coming-of-Age-Geschichten dargestellt worden. Bemerkenswert sind die Musical-Adaption Hair (1979, Milos Forman), die erst 10 Jahre nach der Bühnenpremiere auch filmisch adaptiert wurde, und Taking Woodstock (2009, Ang Lee), der das Woodstock-Festival aus der Perspektive der Veranstalter dramatisierte.


Literatur: Bapis, Elaine M.: American film as agent of social change, 1965‑1975. Jefferson, N.C.: McFarland 2008. – Becker, Matt: A Point of Little Hope. Hippie Horror Films and the Politics of Ambivalence. In: The Velvet Light Trap, 57, Spring 2006, S. 42‑59. – MacFarlane, Scott: The hippie narrative. A literary perspective on the counterculture. Jefferson, N.C. [...]: McFarland 2007. 


Artikel zuletzt geändert am 15.09.2015


Verfasser: HJW


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