Lexikon der Filmbegriffe

Oprahization

auch: Oprah‑ization, Oprahtization


(1) 2001 als „Wort des Jahres“ nominierter Neologismus (der allerdings schon in den 1990ern auftauchte) nach der Moderatorin der The Oprah Winfrey Show, in der oft Opfer von Vergewaltigungen und fataler Unfälle zu Gast waren. Winfrey war bekannt für die außerordentlich hohe Einfühlung oder sogar Identifikation, die sie für ihre Gäste aufbringen konnte. Selbst wenn sie Kriminelle eingeladen hatte, führte Winfrey deren Straftaten meist auf zuvor geschehenes Leid oder Unrecht zurück, suchte also die Schuld ihrer Gesprächspartner zu entlasten. In einem weiteren Kontext wird die Oprahization als besondere Strategie der Umformung privater Gegenstände und Erfahrungen in solche der öffentlichen Unterhaltungskultur angesehen.


Literatur: Harris, Jennifer (ed.): The Oprah phenomenon. Updated ed. Lexington: The University Press of Kentucky 2009. - Hill, John R. / Zillmann, Dolf: The oprahization of America: Sympathetic crime talk and leniency. In: Journal of Broadcasting & Electronic Media 43,1, 1999, S. 67‑82. – Illouz, Eva: Oprah Winfrey and the glamour of misery. An essay on popular culture. New York: Columbia University Press 2003.


(2) Die Bezeichnung wird vor allem auch in der Politik-Kritik und -Satire verwendet, wenn Politiker durch allzu große Empathie mit Leidtragenden versuchen, für sich Sympathien zu gewinnen.


Literatur: Kuypers, Jim A. [...]: Compassionate Conservatism: The Rhetorical Reconstruction of Conservative Rhetoric. In: American Communication Journal 6,4, Summer 2003, S. 1-27.


Artikel zuletzt geändert am 15.09.2015


Verfasser: JvH


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