Lexikon der Filmbegriffe

Post-Mortem-Kino

Seit den späten 1990ern  beschäftigt sich das zeitgenössische Kino zunehmend mit Themen des Lebens nach dem Tod und nach Impersonifikationen des Todes selbst. Die Protagonisten dieses Kinos sind häufig Untote oder Grenzgestalten, die auf der Schwelle zwischen Leben und Tod angesiedelt sind. Dieses sogenannte Post-Mortem-Kino, das primär stofflich durch das „Leben nach dem Leben“ gekennzeichnet ist, zeichnet sich formal durch eine paradoxe Form von Zeitlichkeit, Erzählung und Erfahrung aus. Die Helden dieser Filme sind eigentlich verstorben oder erleben (als „Nahtoderlebnisse“ wie in Jacob‘s Ladder, USA 1990, Adrian Lyne) das eigene Sterben, leben in einem Zwischenzustand zwischen Tod und Leben oder halluzinieren ein Weiterleben. Die Beziehungen zwischen Diesseits und Jenseits werden dabei nicht in religiösen Kategorien erklärt. Die Filme laufen oft in zwangsartigen Wiederholungsschleifen oder zentrieren sich um einen traumatischen Punkt in der Vergangenheit. Zentrale Themen sind dabei der Gedächtnisverlust (Memento, USA 2000, Christopher Nolan, Mullholland Drive, USA 2001, David Lynch), die Heimsuchung (Silence of the Lambs, USA 1991, Jonathan Demme, Caché, Frankreich 2005, Michael Haneke) und die Figur des Untoten (The Others, USA [...] 2001, Alejandro Amenábar).


Literatur:  Geimer, Alexander / Lepa, Steffen: Todesvorstellungen und Todesdarstellungen. Hat die Rezeption von Post‑Mortem‑Filmen eine orientierungsbildende Funktion für Jugendliche? In: tv diskurs 11,3 [41], 2007, S.42‑45. – Elsaesser, Thomas, Was wäre, wenn du schon tot bist? Vom ,postmodernen‘ zum ,post‑mortem‘‑Kino am Beispiel von Christopher Nolans Memento. In: Zeitsprünge. Wie Filme Geschichte(n) erzählen. Hrsg. v. Christine Rüffert [...]. Berlin: Fischer & Bertz 2004, S. 115‑125. 


Artikel zuletzt geändert am 15.09.2015


Verfasser: JvH


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