Lexikon der Filmbegriffe

musicarello

ital. (Plural: musicarelli); dt. etwa: (italienischer) Schlagerfilm


Spielerische Bezeichnung für italienische Schlagerfilme, in denen Schlagerstars – meist begleitet von älteren Komödianten in Nebenrollen – im Rahmen komischer Handlungen einige ihrer Lieder präsentieren, die sich oft auf die Erzählung beziehen. Die Bezeichnung geht wohl zurück auf den Titel des höchst erfolgreichen Carosello di canzoni (1958, Luigi Capuano). Das Genre entstand in den 1950ern und hatte in den 1960ern seine Blütezeit. Es ist eine Hybridform, die auf diverse Traditionen der Komödie zurückweist, aber auch Impulse der fotoromanzi aufnimmt. Im Zentrum jedes musicarello steht jeweils ein zentrales Lied, das bereits ein Hit ist oder das als Hit plaziert werden soll. Die Lieder richten sich (anders als Musicals oder Sängerfilme) an ein spezifisch jugendliches Publikum; die oft diffuse Kritik gegen konformistische Haltungen und bourgeoise Lebensformen ebenso wie die in den Geschichten thematisierten Spannungen zwischen den Generationen deuten bereits in den 1950ern auf die gesellschaftlichen Umbrüche der 1960er hin. Mit den Unruhen von 1968 setzte der Zusammenbruch des Genres ein, weil sich Jugendprotest nun nicht mehr als Differenz der Lebensstile, sondern als politischer Protest artikulierte. Zugleich differenzierten sich die populären Musikstile, so dass eine allgemeine Adressierung eines jugendlichen Publikums unmöglich wurde.


Als erster Erfolgsfilm gilt I ragazzi del Juke‑Box (1959, Lucio Fulci). Piero Vivarelli und Ettore Maria Fizzarotti sind die wichtigsten Regisseure, Gianni Morandi, Little Tony, Rita Pavone und Caterina Caselli die bekanntesten Sänger-Schauspieler.


Literatur: Arcagni, Simone: Dopo Carosello: il musical cinematografico italiano. Alessandria: Falsopiano 2006. – DellaCasa, Stefano / Manera, Paolo: SegnoSpeciale: I musicarelli. In: Segnocinema, 310, Dez. 1991, S. 24-52. – Fabbrica, Moreno: Cuori, divise e chitarre. Il cinema musicale italiano [degli anni '60]. Sommacampagna (Verona): Cierre Ed. 2008. – Magni, Daniele [...]: Cuori matti – Dizionario dei musicarelli anni '60.  Milano: Bloodbuster Jamboree 2012.


Artikel zuletzt geändert am 26.04.2016


Verfasser: HJW


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