Lexikon der Filmbegriffe

Nazijäger-Film

Nach dem Untertauchen zahlreicher Verantwortlicher des Naziregimes, der SS, der Medizin usw. nahmen einzelne Personen wie Simon Wiesenthal es auf sich, Nazi-Täter weltweit aufzuspüren und den Gerichten zuzuführen. Wiesenthahl hatte den Holocaust überlebt und das „Dokumentationszentrum Jüdische Historische Dokumentation“ in Linz und später das „Dokumentationszentrum des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes“ in Wien gegründet. Nach dem Krieg vergingen Jahrzehnte, bis Nazijäger auch zum Stoff für Filme wurden. Die Wiesenthal-Figur trat in Filmen erst seit den 1970ern auf (wie z.B. in The Odessa File, Großbritannien/BRD 1974, Ronald Neame, oder in Die Kunst des Erinnerns – Simon Wiesenthal, Österreich/USA 1995, Hannah Heer, Werner Schmiedel). Das Ehepaar Serge und Beate Klarsfeld zog ähnliche Prominenz auf sich; die Jagd auf Klaus Barbie war nicht nur Thema dokumentarischer Filme, sondern wurde in La traque (Frankreich 2008, Laurent Jaoui) auch dramatisiert; das Ehepaar wurde in Filmen wie Nazi Hunter: The Beate Klarsfeld Story, USA/Frankreich 2008, Michael Lindsay‑Hogg, auch geehrt.


Oft sind prominente Nazis die Gesuchten (wie Dr. Josef Mengele in The Boys from Brazil, Großbritannien/USA 1978, Franklin J. Schaffner). Eigene Aufmerksamkeit erlangte der Frankfurter Staatsanwalt Fritz Bauer, der die ersten Auschwitzprozesse in der BRD anstieß und als Hintermann der Entführung Adolf Eichmanns durch den israelischen Geheimdienst gilt; Bauers Arbeit wurde zuletzt in Der Staat gegen Fritz Bauer (BRD 2015, Lars Kraume) gewürdigt.


Die Figur des Nazijägers spielt aber auch als Genrefigur eine Rolle. In dem Spionagefilm The Debt (USA [...] 2010, John Madden) etwa machen sich drei Mossad-Agenten auf die Spur zweier Nazi-Verbrecher in Ost-Berlin. Fälschlicherweise wird auch Quentin Tarantinos Inglorious Basterds (USA 2009) über ein jüdisch besetztes Sonderkommando im Zweiten Weltkrieg zu den Nazijäger-Filmen gerechnet.


 


Literatur: McKale Donald M.: Hitler's Children: A Study of Postwar Mythology. In: The Journal of Popular Culture 15,1, Summer 1981, S. 46-55. 


Artikel zuletzt geändert am 26.04.2016


Verfasser: AS


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