Lexikon der Filmbegriffe

Schulmädchen‑Report

Basierend auf einem Buch von Günther Hunold (1970), das Interviews mit zwölf Mädchen und jungen Frauen im Alter von 14 bis 20 über ihre Sexualität enthielt, entstand noch im gleichen Jahr eine Film-Adaption des Themas, das bis 1980 auf dreizehn Folgen anwachsen sollte. Die Verfilmungen – alle durch den Produzenten Wolf C. Hartwig betreut – wurden in 38 Sprachen übersetzt und sind mit über 100 Millionen Zuschauern eine der erfolgreichsten deutschen Film-Serien. Der Titel nimmt Bezug auf den Kinsey-Report, eine journalistische Bezeichnung einer umfassenden Umfrage über das Sexualverhalten amerikanischer Erwachsener aus den späten 1940er, und frühen 1950ern, dem eine ganze Reihe anderer „Reporte“ über das Intimleben befolgt waren. Der Schwebezustand zwischen sexualwissenschaftlicher Reportage und sexueller Phantasie bildet sicher auch eine Grundlage für den Erfolg der Filme, die gleichermaßen mit einem Aufklärungsanspruch wie mit voyeuristischen Motiven spielten. Das Stichwort „Report“ wurde zur Sigle einer ganzen Kette von Filmen, die in den 1970ern ein Massenpublikum erreichten – Der Hausfrauen‑Report (6 Teile, 1971-77), Lehrmädchen‑Report (1972), Tanzstunden‑Report (1973), Teenager-Report (1973) usw. Es handelte sich ausnahmslos um anspruchslose Episoden-Sexfilme, in denen meist Laien agierten; die Filme wurden stumm gedreht und nachsynchronisiert. Viele enthielten eine Experten-Rahmenhandlung mit Psychologen, Ärzten oder Geistlichen, die den Aufklärungsanspruch unterstrichen.


Die „Report“-Sigle wanderte bereits in den 1970ern in den Pornofilm ab und wird dort bis heute verwendet (in Titeln wie Swinger-Report oder Mutti-Report).


Literatur: Miersch, Annette: Schulmädchen‑Report: der deutsche Sexfilm der 70er Jahre. Berlin: Bertz + Fischer 2003. – Keßler, Christian: Der große Reporte‑Report. 1. Teil: Was Cineasten nicht für möglich halten. In: Splatting Image, 81, März 2010, S. 5-10. – Weißbach, Dieter Wolfgang: Imaginationen kollektiver Pubertät. Die Schulmädchenreporte. Vorurteile und Nachurteile. In: Medien praktisch 19,1, 1995, S. 29-32. 


Artikel zuletzt geändert am 26.04.2016


Verfasser: HHM


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