Lexikon der Filmbegriffe

Sensationsdrama

auch: Spektakelstück, Sensationsdrama; engl.: sensation drama 


Sensationsdramen sind eine Form des Bühnenmelodramas – mit großem Aufwand inszeniert. Sie gewannen im Viktorianischen England ihre wohl prägnanteste Ausprägung, die nicht nur international adaptiert wurde, sondern auch in den frühen Film Impulse und Vorbilder abgab. Diese Dramen waren eher durch Action, überwältigenden Sensationalismus und Gewalt gekennzeichnet denn durch raffiniertes Spiel mit Affekten und melodramatischen Konstellationen. Nach Ben Singer zeichnen sie sich durch fünf grundlegende dramaturgische Faktoren auf, die nicht alle vorkommen müssen und in jeder nur möglichen Kombination auftauchen können: eine extreme moralische Polarisierung, ein heftiges Pathos des Vortrags, das überreizte Gefühl der Figuren und gesteigerte Zustände emotionaler Not, nicht‑klassische Erzähltechniken und den Einsatz des deus ex machina, also einer plötzlichen und unerwartbaren Hilfe in einer Notsituation die Lösung des Konflikts bringt.


Literatur: Singer, Ben: Melodrama and Modernity. Early Sensational Cinema and its Contexts. New York: Columbia University Press 2001 (Film and Culture.). – Daly, Nicholas: Blood on the Tracks: Sensation Drama, the Railway, and the Dark Face of Modernity. In: Victorian Studies 42,1, Autumn 1999, S. 47‑76. - Voskuil, Lynn M.: Feeling Public: Sensation Theater, Commodity Culture, and the Victorian Public Sphere. In: Victorian Studies 44,2, Winter 2002, S. 245-274. 

Referenzen:

sensation scene


Artikel zuletzt geändert am 26.04.2016


Verfasser: JvH


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