Lexikon der Filmbegriffe

Televoting

wörtlich etwa: Abstimmen per Tele-Medien


Wettbewerbe wie die Vorausscheidungen zum European Song Contest, zu Miss-Wahlen und ähnlichem werden in vielen Fällen von Expertenjurys entschieden. Bis 1979 wurde in der BRD am Prinzip der Jury als Gremium der Entscheidung für die Teilnahme an der Endrunde des Song Contest festgehalten (international sogar bis 1998); 1963 durften Zuschauer zwar per Postkarte an der Wahl teilnehmen, doch wurde danach das Televoting-Verfahren eingeführt. Man versteht darunter die Abstimmung von Fernsehzuschauern an einer Wahl oder über Inhalte einer TV-Sendung innerhalb eines bestimmten vorgegebenen Zeitraums. Die Stimme kann per Telephon oder Handy, oft auch per SMS oder sogar E-Mail abgegeben werden. Das Verfahren wird nicht nur in Unterhaltungsangeboten des Fernsehens, sondern auch auf großen Aktionärsversammlungen eingesetzt.


Um das Verfahren gegen ausbeuterische Interessen zu sichern, dürfen in der BRD laut Rundfunkstaatsvertrag nur Gebühren in Höhe von maximal 0,50 € je abgegebener Stimme erhoben werden. Gleichwohl lassen sich durch das Verfahren Kostendeckung oder sogar Kostenüberschüsse erzielen. Gerade wegen dieser verdeckten Geldflüsse ist dem Televoting vorgeworfen worden, eine verdeckte Verwertung der Zuschauerkontakte zu sein und eben nicht – wie von vielen Betreibern reklamiert – Teil einer Demokratisierung des Fernsehens ist.


Literatur: Bolay, Stefan: Televoting‑ und Gewinnspiel‑Call‑In‑Shows zwischen Teleshopping und reaktionellen Programm. In: Kommunikation & Recht 12,2, 2009, S.91‑96.


Artikel zuletzt geändert am 26.04.2016


Verfasser: HHM


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