Lexikon der Filmbegriffe

Stereoskop

1838 veröffentlichte Charles Wheatstone, Professor für experimentelle Naturwissenschaften am King‘s College in London, seine ersten Forschungsergebnisse über körperliches Sehen. Er berechnete und zeichnete Stereobildpaare und konstruierte für deren Betrachtung einen Apparat, bei dem der Blick des Betrachters durch Spiegel auf die Halbbilder umgelenkt wurde: Auf einer Holzlatte wurden links und rechts die verschiedenen Bilder angebracht; in der Mitte befanden sich zwei Spiegel im rechten Winkel zueinander, die man sich in geringem Abstand vor die Augen hielt, so dass man mit dem linken Auge das linke Bild und mit dem rechten Auge das Bild auf der rechten Seite betrachten konnte. Diesen Apparat nannte er Stereoskop, eine Bezeichnung, die für Doppelbildbetrachter bis heute verwendet wird. 1849 stellte David Brewster, Physiker und Privatgelehrter, die erste Zweiobjektiv-Kamera vor. Damit konnte man zum ersten Mal Schnappschüsse stereoskopisch festhalten (single shot). Bis dahin wurden die Stereohalbbilder nacheinander belichtet und die Kamera zwischen den beiden Aufnahmen im Augenabstand verschoben. Im gleichen Jahr stellte Brewster auch ein Prismenstereoskop vor, mit dem man die Aufnahmen, welche mit der Brewster-Kamera fotografiert wurden, betrachten konnte. 1851 führte der französische Optiker Jules Dobascq auf der Weltausstellung in London seine Apparate der Öffentlichkeit vor. Es waren Stereoskope nach Konstruktionen von Brewster, mit denen er Stereo-Daguerreotypien zeigte. Die Resonanz des Publikums war überwältigend, und auch Königin Victoria begeisterte sich für diese Präsentation. Damit war der Siegeszug der Stereobilder nicht mehr aufzuhalten. Bereits 1860 waren in Europa über eine Million Stereoskope und ein Vielfaches an dazugehörigen Stereokarten verkauft. Dieser Boom hielt bis zur Jahrhundertwende an, und jeder namhafte Kamerahersteller war darauf bedacht, auch stereoskopische Aufnahmegeräte im Programm zu haben. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts ging das Interesse an Stereobildern wieder stark zurück. 


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: JH


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