Lexikon der Filmbegriffe

Virtual Print Fee

Virtual Print Fee (VPF) ist ein Hilfsfond, in den Verleiher einzahlen, um die Umrüstung von Kinos für die digitale Projektion zu unterstützen. Ein Ziel des 1999 angeregten, 2005 gestarteten Projekts war es, vor allem die großen amerikanischen Studios dazu zu bewegen, die Auswertung von Filmen auf digitale Projektion umzustellen, indem die Ersparnisse bei digitalem Versand gegenüber den üblichen Verleihkopien den Kinos zu gute kommen zu lassen.


Das Verfahren zog von Beginn an heftige Kritik der unabhängigen Produzenten auf sich, deren Konditionen sich rapide verschlechterten, weil viele unabhängige Kinos die Finanzierung für die digitalen Projektionssysteme nicht aufbringen konnten, also weiterhin auf Verleihkopien angewiesen blieben. Auch die unabhängigen Verleiher monierten, sie liefen Gefahr, dass sie sich die Kinoauswertung von klassischen Arthouse-Filmen aufgrund hoher VPFs in Zukunft nicht mehr leisten könnten. Hinzu kam, dass mit unterschiedlichen Beitragssätzen gearbeitet wurde (bei der Flat VPF wurden sämtliche Kinoeinsätze durch eine einmalige Pauschalsumme abgedeckt, bei der Decreasing VPF dagegen für die Dauer des Einsatzes – bei den viel längeren Auswertungszeiten von Independent-Filmen ein klarer Nachteil für das Arthouse-Segment). Der Konflikt verschärfte sich, als die 3D-Welle seit 2005 zeigte, dass die Digitalprojektion auch neue Umsatzchancen eröffnete, die den Kinos, die auf traditionellem Wege ihre Filme zeigten, verschlossen blieben. Die Befürchtung war, dass die Marktmacht der Majors durch die VPF-Projekte noch weiter steigen könnte.


2005 kam es zu einem Vertrag mit vier großen Hollywood-Studios, der von der eigens dafür gegründeten Firma  Christie/AIX umgesetzt wurde (heute Tochter der Cinedigm Digital Cinema), die visuelle Lösungen für die beteiligten Kinos erarbeitete. In der Nachfolge kam es zu diversen weiteren Digital Cinema Deployment Agreements, die zur weltweiten Umrüstung der Kinos beitrugen.


Literatur: Crofts, Charlotte: Cinema distribution in the age of digital projection. In: Post Script: Essays in Film and the Humanities 30,2, 2011, S. 82‑98. 


Artikel zuletzt geändert am 12.06.2016


Verfasser: HHM


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