Lexikon der Filmbegriffe

Nero im Film

Annähernd 100 Filme haben das Bild des römischen Kaisers Nero (37-68 n.Chr.), der durch die Intrigen und Giftmorde seiner Mutter Agrippina – die ihrerseits von ihrem Sohn vergiftet wurde – im Alter von nur 19 Jahren zum Kaiser gekürt wurde und dessen Regierungszeit sich durch Verschwendungssucht, durch Orgien und politische Intrigen auszeichnete, der aber auch für seine Großzügigkeit und wegen seiner Förderung der Künste bekannt war. Die Fama behauptet, dass er Rom anzünden ließ, um Platz für Neubauten zu erlangen, und dass er während des Brandes musizierend zugeschaut habe. Um von seiner Tat abzulenken, initiierte er die Christenverfolgung, der der Brandstiftung bezichtigt wurden. Dieses Bild Neros ist ganz und gar einer Skandalgeschichte der römischen Kaiser geschuldet. Wohl am bekanntesten ist immer noch  Quo Vadis? (USA 1951, Mervyn LeRoy) mit Peter Ustinov als Nero, der die Züge eines weltentfernten Verrückten ganz herausarbeitete. In eine ähnliche Richtung hatte schon The Sign of the Cross (USA 1932, Cecil B. DeMille) mit Charles Laughton als Nero gearbeitet, wobei auch hier die ausbrechende Christenverfolgung das Zentrum der Erzählung bildete. Insbesondere der Roman Quo vadis? von Henryk Sienkiewicz (1896) wurde vielfach adaptiert (1913, mit Carlo Cattaneo; 1924, mit Emil Jannings; 1985, mit Klaus Maria Brandauer, 2001, mit Micha#SYMBOL  \f "Symbol"95 Bajor,2004, mit Hans Matheson), wobei die Rolle immer als Herausforderung für die Darsteller galt. In allen diesen Anverwandlungen der Figur steht aber nicht die historische Figur im Zentrum, sondern ein imaginärer Entwurf außer Kontrolle geratener Macht.


Literatur: Kneppe, Alfred: Augustus, Nero und das Geschichtsbewußtsein. In: Archiv für Kulturgeschichte 69,2, 1987, S. 263‑288. – Malitz, Jürgen: Nero. Der Herrscher als Künstler. In: Mythen Europas. Schlüsselfiguren der Imagination. 1. Antike. Hrsg. v. Andreas Hartmann u. Michael Naumann. Regensburg: Pustet 2004, S. 145‑164. – Elsner, Jas /Masters, Jamie (eds.): Reflections of Nero. Culture, history, & representation. London: Duckworth 1994. Darin bes.: Wyke, Maria: Make like Nero! The appeal of a cinematic emperor, S. 11-28.


Artikel zuletzt geändert am 12.06.2016


Verfasser: AS


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