Lexikon der Filmbegriffe

whitewashing (2)

dt. etwa: „Weiß-Machen durch Rollenbesetzung“


Der Kritik am Rassismus in der amerikanischen Kinoindustrie und den Theorien des Neokolonialismus entstammende Bezeichnung für die Tendenz, Stoffe und Figuren „weiß zu waschen“, auch Figuren anderer ethnischer Zugehörigkeit mit weißen Akteuren zu besetzen. Auch wenn – in den Techniken des black oder yellow facing – versucht wird, zumindest äußerlich die Insignien der ethnischen Eigenständigkeit der Figuren zu erhalten, bedingt schon die Majorität der weißen Star-Figurae gegenüber der sehr viel kleineren Gruppe von Filmstars der anderen Ethnien, dass die Praxis des whitewashing bis heute in der amerikanischen Film-Produktion angewendet wird (etwa in der Besetzung eines tibetischen Weisen durch die englische Schauspielerin Tilda Swinton in der Manga-Adaption Dr. Strange, USA 2016). Die stereotypen Rassencharakteristiken werden gerade durch die erkennbar „schiefe“ Besetzung um so deutlicher ausgearbeitet, weshalb das whitewashing von vielen Kritikern einer perfiden Rhetorik des Rassismus zugeordnet wird. Bekannte Hauptrollen-Besetzungen der Filmgeschichte sind Laurence Olivier als Schwarzer in der Titelrolle zu Orson Welles‘ Otello (1952), John Wayne als Mongole in Genghis Khan - The Conqueror (1956), Peter Sellers als Inder „Hrundi Bakshi“ in Blake Edwards‘ The Party (1968), Mickey Rooney als Japaner in Breakfast at Tiffany‘s (1961) oder die blonde Amerikanerin Mena Suvari als „Chante Jawan Mallard“, eine Schwarze, die während der Apartheid-Zeit für 50 Jahre im Gefängnis saß (in Stuck, 2007).


Literatur: Gabriel, John: Whitewash. Racialized politics and the media. London [...]: Routledge 1998. - Tehranian, John: Whitewashed. America's invisible Middle Eastern minority. New York: New York University Press 2009. 

Referenzen:

blackface

yellowface


Artikel zuletzt geändert am 12.06.2016


Verfasser: KB


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