Lexikon der Filmbegriffe

Bahnhofskino

oft auch kurz: Bali


Beginnend in Frankreich seit 1910, entstanden seit den späten 1920ern weltweit fast immer in Bahnhofsnähe sogenannte „Aktualitätenkinos“ (in Frankreich: cinéac), die fast ausschließlich Wochenschauen zeigten. Erst mit dem Aufkommen des Fernsehens Anfang der 1960er verloren die Bahnhofskinos ihre Funktionen als Zeitungsäquivalent und wandelten sich zu allgemeinen Kinos, die allerdings nicht im Konkurrenzkampf mit den Erstaufführungskinos standen, sondern allgemeines und bereits ausgewertetes Material zeigen und damit Kosten für aktuelle Kopien, Kosten für Werbung u.ä. sparen konnten. Der Eintritt wurde für die Benutzung des Raums entrichtet, nicht für die Vorführung des besonderen Films. Adressiert waren Reisende, die auf ihre Anschlüsse warteten. In den 1970ern waren die Programme der ehemaligen Aktualitäten-Spielstätten von Sex-, Action- und Kung-Fu-Filmen dominiert, die meist in zweitägigem Wechsel präsentiert wurden. Bis Mitte der 1980er hatten alle ehemaligen akis komplett auf das Angebot von Hardcore‑Pornofilmen umgestellt, was wiederum den Widerstand der Bahn im Bemühen um die Wandlung der Bahnhöfe in Service-Zentren beförderte. 1999 schloss das letzte Bahnhofskino.


Literatur: Tünnemann, Christian: Das Bahnhofskino. Programm und Publikum an einem Durchgangsort. In: Hamburger Flimmern, 12, 2005, URL: http://www.filmmuseum‑hamburg.de/642.html.


(2) Die 1949 eröffneten Bahnhofs‑Lichtspiele (kurz: bali) im Stuttgarter Hauptbahnhof gaben der Kino-Gattung den Namen. 

Referenzen:

Aktualitätenkinos

Cinéac

Nonstop-Kino


Artikel zuletzt geändert am 30.01.2017


Verfasser: JvH


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