Lexikon der Filmbegriffe

Bildstörung

In der Kommunikationstheorie versteht man eine Störung als unbeabsichtigt mitkommunizierte Information oder als unerwünschte Veränderung im übertragenen Signal. Einerseits gilt es daher, Störungen auszuschalten bzw. zu minimieren, andererseits wird auch auf deren semantisches und epistemologisches Potential verwiesen: In der Störung wird das beobachtbar, was sonst unsichtbar bleibt (z.B. die materielle Basis eines fotochemischen Filmstreifens im Moment des Filmrisses). In dieser Perspektive wächst der Störung selbst ein Informationswert zu, weshalb die Unterscheidung von Signal und Störung relativ zu verstehen ist.


Alle technischen Bildmedien kennen eigene Phänomene der Bildstörung, die auf die jeweils spezifischen apparativen oder materiellen Bedingungen der Aufzeichnung, Verarbeitung, Speicherung/Aufbewahrung und/oder Wiedergabe zurückgehen: Im fotochemischen Film sind das z.B. chromatische Aberationen, die bereits in der Kameralinse entstehen, Kratzer, Laufstreifen und Flecken auf dem Filmstreifen, altersbedingte Zersetzungsprozesse der Emulsion oder auch die sichtbar werdende Perforation bei fehlerhafter Projektion.


Bildstörungen werden auch gezielt als ästhetisches Stilmittel eingesetzt und absichtlich herbeigeführt: etwa im Rahmen avantgardistischer Filmpraxis, die selbstreflexiv auf die materielle Basis ihrer Produktionen verweist. Zudem sind grundsätzlich alle spezifischen Formen der Bildstörung zitier‑ bzw. simulierbar, was wiederum unterschiedlich motiviert sein kan – z.B. um Historizität oder Faktizität vorzutäuschen, um nostalgisch die ästhetischen Qualitäten obsoleter Medienformen zu aktualisieren oder um Bildmaterial verschiedenen Ursprungs optisch aneinander anzugleichen.


Literatur:  Flückiger, Barbara: Visual Effects. Filmbilder aus dem Computer. Marburg: Schüren 2008. – Paech, Joachim: Figurationen ikonischer n#SYMBOL  \f "Symbol"188Tropie. Vom Erscheinen des Verschwindens im Film. In: Ders.: Der Bewegung einer Linie folgen#SYMBOL  \f "Symbol"188 Schriften zum Film. Berlin: Vorwerk 8 2002, S. 112-132. - Schrey, Dominik: Analogue Nostalgia and the Aesthetics of Digital Remediation. In: Katharina Niemeyer (ed.): Media and Nostalgia. Yearning for the Past, Present and Future. Basingstoke/New York: Palgrave Macmillan 2014, S. 27-38.

Referenzen:

Artefakt

breathing

Filmbeschädigungen

Moiré-Effekt

Schlieren


Artikel zuletzt geändert am 13.06.2016


Verfasser: DOS


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