Lexikon der Filmbegriffe

Stimmencasting

vor allem bei Nachrichtensprechern auch: Sprechercasting; engl.: cast a voice


Nicht nur im Hörspiel und bei der Auswahl von Voice-Over-Stimmen, sondern vor allem auch im Synchronisierungsbetrieb ist – von eher technischen Qualitäten abgesehen, die erfüllt sein müssen – die Auswahl der Stimmen der Sprecher und Sprecherinnen von größter Bedeutung: Können sie die affektiven Färbungen der Rolle angemessen wiedergeben? Sind die Stimmen verschiedener Akteure (vor allem hinsichtlich Alter und Geschlecht) einander unähnlich genug, dass der Hörer/Zuschauer sie unterscheiden kann? Ist der Sprecher (vor allem bei Nachrichtentexten) dazu in der Lage, emotionale Stimmkontrolle auch dann zu halten, wenn ihn der verlesene Text selbst berührt?


Beim Synchronisieren treten weitere Fragen auf, die bei der Auswahl der Sprecher bedacht sein müssen: Ist es möglich, den Ausdrucksreichtum der Original-Sprecher auch in der Zielsprache zu wiederholen? Ist es nötig, die Synchronstimme der Originalstimme anzupassen oder kann sie sich u.U. deutlich von jener unterscheiden (ein berühmtes Beispiel ist Arnold Marquis, der in ganz anderer Stimmlage John Wayne ein im deutschen Sprachraum typisches „Stimm-Outfit“ gab)? Ist der Schauspieler bereits fest mit einer Synchronsprecherstimme assoziiert (wie etwa Christian Brückner seit den 1960ern Robert de Niro seine Stimme lieh)?


Für das Stimmencasting sind meist spezialisierte Agenturen sowie spezialisierte Abteilungen vor allem in den Synchronstudios zuständig, die oft sehr umfangreiche Archive mit Probeaufnahmen führen. Die Vereinigung Deutscher Sprecher (VDS) ist eine Art Berufsvertretung der Sprecher.


URL des VDS: http://www.sprecherverband.de.


Übersicht über die Synchronsprecher-Ausbildung und die Sprecheragenturen: http://www.media‑paten.com/blog/synchron/synchronsprecher‑werden/.


Artikel zuletzt geändert am 13.06.2016


Verfasser: JvH


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