Lexikon der Filmbegriffe

home invasion thriller

als Motivbezeichnung auch im Dt. verbreitet


Psychopathen, Serienkiller, entflohene Gefangene, Stalker und andere Bösewichter, die in meist brutaler Weise in das eigene vermeintlich sichere Privatumfeld wie das eigene Zuhause eindringen, dabei gewalt- und oft mordbereit sind – die Grundkonstellation der home invasion thrillers. Filme dieses narrativen Funktionskreises gehören dem Thriller an, manche nutzen Horror-Elemente, manche kombinieren den Grundkonflikt mit Splatterfilm-Substraten. Das Eindringen der Bösen ist die Auflösung jeder Sphäre der Sicherheit, es beginnt fast ausnahmslos ein Kampf auf Leben und Tod. Das Motiv reicht weit in die Geschichte des Thrillers zurück. Prädestiniert sind Entführungs- und Geiselnahmegeschichten dazu, die dem Motiv inhärente finale Konfrontation von Tätern und Opfern zu entfalten. Als ein erster Prototyp wird oft Blind Alley (USA 1939, Charles Vidor) über einen Psychiater, der als Geisel genommen wird, allerdings den Geiselnehmer zu therapieren beginnt, genannt. Auch The Desperate Hours (USA 1955, William Wyler) und seine Neuadaption Funny Games (Österreich 1997, Michael Haneke) über drei bzw. zwei Gangster, die mordwillig in das Haus einer Familie eindringen, exemplifizieren den extremen thrill derartiger Geschichten. Gerade weil die Mittel von Prot- und Antagonist so unterschiedlich sind, können sich intensive Spannungserlebnisse einstellen, die nicht nur auf emotionalem Miterleben, sondern oft auch  auf der intensiven kognitiven Ausforschung der Handlungsmöglichkeiten der Opfer aufruhen (als extremer Fall mag Wait Until Dark, USA 1967, Terence Young, über den Kampf zwischen einer blinden jungen Frau und einem Gangster genannt sein). Ein Film wie Extremities (USA 1985, Robert M. Young), der die Rollen von Täter und Opfer im Verlauf der Geschichte vertauscht und dadurch das Gewaltpotential der immer bürgerlichen Opfer aushorcht, ist in dem gar nicht so kleinen Motivkreis aber ebenso selten wie In Cold Blood (USA 1967, Richard Brooks), der versucht, in die Motivationen zweier jugendlicher Mörder einzudringenerköpfige Familie kalten Herzens umgebracht haben.


Literatur: Fiddler, Michael: Playing Funny Games in The Last House on the Left: The uncanny and the ‘home invasion’ genre. In: Crime Media Culture 9,3, Dec. 2013, S. 281‑299. – Grant, Barry: Digital anxiety and the new verité horror and sf film. In: Science Fiction Film & Television 6,2, 2013, S. 153‑175. 


Artikel zuletzt geändert am 13.06.2016


Verfasser: HJW


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