Lexikon der Filmbegriffe

Hyperimage

oft auch: HyperImage; Kofferwort aus griech.: hyper- (= über ...  hinaus) und engl.: Image (= Bild), mit Bezug zur Assoziation „Hypertext/Image“


In der Nachfolge der Wunderkammern etablieren sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Kunstsammlungen, in denen nicht nur Bildwerke (Gemälde und Skulpturen) der jeweiligen Gegenwart, sondern auch bedeutende Werke der Vergangenheit, die für einen je unterschiedlichen Kontext geschaffen wurden, innerhalb eines Raumes oder einer geordneten Raumfolge nach wechselnden Ordnungssystemen präsentiert werden. Derartige Bildensembles konstituieren einen auf Differenz und Ähnlichkeit fundierten semantischen Konnex, der aus jeweils einzelnen autonomen Texten (die jeweils eigene Bedeutungen tragen) gespeist wird und eine übersummative Qualität gegenüber den beteiligten Teiltexten hat. Diese von Felix Thürlemann als HyperImages terminologisierten Bildkomplexe sind ein Produkt der Montage bzw. der Komposition von Elementen in einem eigenen Bedeutungsraum, in dem sich auch die Bedeutungen der Teiltexte verändern; sie sind intentional konfiguriert (also keine Produkte von Zufalls-Juxtapositionen). Die jeweilige Anordnung dient dazu, die semantischen Differenzen zwischen den involvierten Werken auszuloten (und ähneln darin der funktionalen Bestimmung der musées imaginaires (nach André Malraux‘s Bestimmung). Die hypertextuellen Strukturen, die in den Strukturen des Internets verfügbar wurden, öffnen neben Museum und Buch einen neuen Raum, in dem HyperImages konzipiert und gestaltet werden können.


Literatur: Malraux, André: Das imaginäre Museum. Hamburg: Rowohlt 1957. Zuerst frz., 1952. – Thürlemann, Felix: Vom Einzelbild zum Hyperimage. Eine neue Herausforderung für die kunstgeschichtliche Hermeneutik. In: Les herméneutiques au seuil du XXIème siècle ‑ évolution et débat actuel. Ed. par Ada Neschke‑Hentschke.  Louvain‑la‑Neuve: Éd. de l'Inst. Supérieur de Philosophie [...]:  2004, S. 223‑247. - Felix: Mehr als ein Bild - für eine Kunstgeschichte des ,hyperimage‘. Paderborn: Fink 2013. 

Referenzen:

Musée imaginaire


Artikel zuletzt geändert am 13.06.2016


Verfasser: KB


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